Katastrophensommer 1942
Adolf Kaipel Tods am 7.6. in Kupjansk
Diese Internetseite zitiert eine Reihe von Briefen von Personen, die zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Schreiben noch nicht unser heutiges Wissen über die grausamen Konsequenzen des Nationalsozialismus und des 2.Weltkrieges gehabt haben. Wenn man diese Briefe liest, sollte man diesen Umstand berücksichtigen. Der Leser sollte vielmehr versuchen, aus den Briefen die Stimmung, die Ängste und die Hoffnung der Menschen abzuleiten. Dadurch wird es ihm vermutlich leichter möglich sein zu verstehen, was die Menschen in dieser so furchtbaren und für uns so fernen Zeit empfunden haben.
Sollten die Briefe an manchen Stellen nationalsozialistische Ideen oder den Krieg verherrlichen, dann ersuche ich den Leser dies aus Gründen der Authenzität der Briefe zu akzeptieren. Solche Textstellen spiegeln jedoch nicht den Geist dieser Internetseiten wieder, ganz im Gegenteil, das Ziel dieser Dokumentation ist den Leser darauf hinzuweisen, wie wertvoll Friede und Völkerverständigung sind und welche furchtbaren Konsequenzen Krieg und Völkerhaß haben. 
Katastrophensommer 1942 - Adolfs Tod am 6.7.1942 in Kupjansk 

Die 44.ID nähert sich also im Juni 1942 der Stadt Kupjansk, jener Stadt in der sich am 6.7.1942 Adolfs Schicksal erfüllt.

Am Abend dieses Tages ist Adolf, in der Zwischenzeit zum Unteroffizier befördert, mit seiner Pioniergruppe unterwegs, um Minen zu verlegen. Dabei explodiert aus ungeklärter Ursache eine dieser Minen. Die Kameraden erkennen sofort, daß es keine Hilfe mehr für ihn gibt. Die Splitter haben ihm derart schwere Kopfverletzungen zugefügt, daß er am nächsten Tag stirbt, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Den Kameraden bleibt nur noch die traurige Pflicht, ihn auf dem deutschen Soldatenfriedhof von Kupjansk zu begraben. In den Briefen, welche die Kameraden an Adolfs Mutter schicken, drücken sie ihre aufrichtige Anteilnahme und ihre Trauer um das Schicksal ihres Freundes aus (Briefe 365 und 366). Einer seiner Kameraden schreibt sogar, daß, sollte auch ihn einmal das Schicksal treffen, er auch so einen schnellen Tod wie Adolf sich wünsche. Ob sein Wunsch in Erfüllung gegangen ist, ist aus heutiger Sicht sehr zu bezweifeln. Die 6.Armee befindet sich bereits auf dem Marsch nach Stalingrad, jener Stadt, die den Namen Stalins trägt, die zum Massengrab für mehr als 250.000 deutsche Soldaten wird. Was aus Adolfs Kameraden geworden ist, weiß ich nicht. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind sie alle im Kessel von Stalingrad oder in der späteren Kriegsgefangenschaft zugrunde gegangen. Wie ich im nächsten Kapitel berichten werden, ist aus der Divisionsgeschichte der 44.ID lediglich etwas über den Verbleib des Kompanieführers der Stabskompanie, Oberleutnant Schatte, der auch einen Brief an Adolfs Mutter geschrieben hat, zu erfahren. Er ist in einer der letzten Verteidigungsstellungen der 44.ID, dem Flughafen Pitomnik, gefallen.        

Auch Hans Bundschuh, der ja ebenfalls in der 44.ID den Rußlandfeldzug mitmacht, bleibt das Stalingradschicksal erspart. Er hat das Glück, daß er wenige Wochen bevor die Russen den Angriff zu Kesselbildung starten, verwundet und in die Heimat verlegt wird. Er ist damit aber nicht endgültig gerettet, denn der Krieg holt auch ihn wieder ein. Am 3.12.1944 erfüllt sich auch sein Schicksal. Wie ich noch berichten werde, wird er bei einem Partisanenangriff in Knin (Kroatien) getötet.   

Der Tod fordert in diesem für unsere Familie so katastrophalen Sommer 1942 noch ein weiteres Opfer. Hans Nicka, der beste Freund Adolfs, fällt nur drei Wochen nach Adolfs Tod am Tschir. Aber auch hier ist das Schicksal gnädig, denn Hans Nickas 297.Infanteriedivision ist auch auf dem Weg nach Stalingrad, wo sie ebenso wie die 44.ID untergeht. 

Als sich Adolfs Schicksal erfüllt, ist er 27 Jahre und 2 Monate alt. Viel zu früh ist er, wie Millionen andere auch in diesem Krieg, einen völlig sinnlosen Tod gestorben. Sein Führer, an den er so geglaubt hat, hat es ihm damit gedankt, daß er halb Europa mit Verbrechen überzogen hat. Er hat somit vor der Geschichte die Soldaten zu Komplizen seiner Verbrechen gemacht. Dadurch hat er sie ein zweites Mal getötet. Für mich hat Adolfs Tod hat nur dann einen Sinn gehabt, wenn man daraus für die Gegenwart und die Zukunft die richtigen Schlüsse zieht. Es darf nie wieder zu einem solchen Krieg, zu solchen Verbrechen kommen. Wir müssen wachsam sein und müssen sehr genau darauf schauen, wer unsere politischen Führer sind. Einen zweiten Hitler, auch einen kleinen Hitler, darf es nie wieder geben. Das sind wir Adolf Kaipel, Hans Bundschuh und Hans Nicka schuldig, wenn wir wollen, daß sie nicht umsonst gestorben sind.
 

Dokumentart: Brief
Absender: Oberleutnant Reinhold Schatte
Absendedatum: 30.6.1942
Absendeort: Kupjansk
Empfänger: Familie Kaipel
Empfangsort: Riedlingsdorf

Sehr geehrte Frau Kaipel!
Leider muß ich Ihnen, die für uns alle, besonders jedoch für Sie traurige Mitteilung machen, daß Ihr Sohn, Unteroffizier Adolf Kaipel, am 6.7.42 in Kupjansk gefallen ist. Er war am Abend des 6.7. mit seiner Gruppe zum Verlegen von Minen eingesetzt, als eine der Minen auf ungeklärte Weise zur Entzündung gebracht wurde. Dabei wurde er durch Splitter am Kopf verwundet und ist ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, gestorben. Er wurde gestern in Kupjansk in der Nähe des Postamtes zur letzten Ruhe gebettet.
Wir verlieren mit Ihrem Sohn nicht nur einen unserer tüchtigsten und tapfersten Unteroffiziere, sondern auch einen der beliebtesten Kameraden, der durch sein freundliches, offenes und besonders kameradschaftliches Wesen allen ans Herz gewachsen ist und wir sind daher durch den Verlust besonders getroffen worden. Wir werden ihn nie vergessen und ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Mögen Sie den Verlust leichter ertragen eingedenk der Tatsache, daß Ihr Sohn sein Leben gab für Führer, Volk und Vaterland. Entsprechend der Größe der Zeit sind die Opfer, die der Krieg von uns fordert und unsere Aufgabe soll es sein, dafür zu sorgen, daß die Opfer nicht umsonst gebracht wurden. Indem wir unser Leben weiter dieser Aufgabe widmen und dem Heldentode unserer Gefallenen einen Sinn geben, grüße ich Sie mit aufrichtigem Mitgefühl.
Ihr Reinhold Schatte e.h.
Olt. u. Komp.-Führer 
 

Dokumentart: Brief
Absender: Hermann Gartner
Absendedatum: 31.8.1942
Absendeort: 
Empfänger: Familie Kaipel
Empfangsort: Riedlingsdorf

Sehr geehrte Frau Kaipel!
Sie haben sicher schon lange auf eine Nachricht der Kameraden von Adolf gewartet, und ich bitte Sie, vielmals entschuldigen zu wollen, daß es so lange gedauert hat. Aber Sie werden ja verstehen, wenn man täglich so und so viele Kilometer marschieren muß oder im Kampfe steht, da hat man keine Zeit zum Schreiben. Jetzt geht es besser, es ist etwas ruhiger geworden und da will ich das Versäumte nachholen.
Vor allem dürfen Sie unserer allerherzlichsten Anteilnahme an diesem schweren Verlust versichert sein! Wir selber konnten es gar nicht fassen, daß unser lieber und guter Kamerad Adolf nicht mehr am Leben sein sollte. Wie oft hat er, der immer lustig und heiter war, auch in schweren Lagen und an heißen Tagen durch seinen Humor aufgemuntert und wie oft habe ich mit ihm über die Heimat und über die Zukunft geplaudert. Aber das Schicksal hatte es anders gewollt und davor können wir uns in Ehrfurcht neigen. Sein Andenken werden wir alle immer in Ehren halten!
Das Grab haben wir natürlich fotografiert. Sobald die Bilder ankommen (das dauert leider längere Zeit, bis sie aus der Heimat eintreffen) erhalten Sie sofort eines davon.
Über den genauen Standort des Grabes, das ich mit noch einem Kameraden wenige Stunden vor unserem Abmarsch aus K., so gut es möglich war, hergerichtet habe, füge ich eine kleine Zeichnung bei.
In der Hoffnung Ihnen trotz Ihres großen Schmerzes eine kleine Freude bereitet zu haben, bleibe ich mit den herzlichsten Grüßen für Sie und Ihre Angehörigen 
Ihr Hermann Gartner.     


 
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