Fall Barbarossa - Angriff auf die Sowjetunion


Diese Internetseite zitiert eine Reihe von Briefen von Personen, die zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Schreiben noch nicht unser heutiges Wissen über die grausamen Konsequenzen des Nationalsozialismus und des 2.Weltkrieges gehabt haben. Wenn man diese Briefe liest, sollte man diesen Umstand berücksichtigen. Der Leser sollte vielmehr versuchen, aus den Briefen die Stimmung, die Ängste und die Hoffnung der Menschen abzuleiten. Dadurch wird es ihm vermutlich leichter möglich sein zu verstehen, was die Menschen in dieser so furchtbaren und für uns so fernen Zeit empfunden haben.
Sollten die Briefe an manchen Stellen nationalsozialistische Ideen oder den Krieg verherrlichen, dann ersuche ich den Leser dies aus Gründen der Authenzität der Briefe zu akzeptieren. Solche Textstellen spiegeln jedoch nicht den Geist dieser Internetseiten wieder, ganz im Gegenteil, das Ziel dieser Dokumentation ist den Leser darauf hinzuweisen, wie wertvoll Friede und Völkerverständigung sind und welche furchtbaren Konsequenzen Krieg und Völkerhaß haben. 
Fall Barbarossa - Der Angriff auf die Sowjetunion 

Als im Westen die Entscheidung gefallen ist, richtet sich der Blick des deutschen Diktators wieder nach Osten. Hitler soll einmal gesagt haben: "Alles was ich mache, ist gegen Rußland gerichtet." In seinen Schriften träumt er von der Gewinnung von Lebensraum im Osten, von der Besiedelung der fruchtbaren Ukraine durch deutsche Wehrbauern und der Zerschlagung des Bolschewismus als Staatsform. Um diese Träume zu verwirklichen, befiehlt er seinem Generalstab einen Plan für einen Feldzug gegen die Sowjetunion auszuarbeiten. In seiner endgültigen Fassung sieht dieser Plan den Aufmarsch von drei Heeresgruppen (Nord, Mitte und Süd) entlang einer 2000 km langen Front, die vom Nordkap bis zum Schwarzen Meer reicht, vor. Ab November 1940 wird Division um Division in den deutsch besetzten Teil Polens verlegt. Insgesamt werden zu Angriffsbeginn am 22.6.1941 dreieinhalb Millionen Soldaten bereitstehen, um Hitlers wahnsinnigen Lebenstraum zu verwirklichen.

An dem Tag, an dem Rapid Wien in Berlin gegen Schalke 04 die Deutsche Fußballmeisterschaft gewinnt, entscheidet sich wenige hundert Kilometer weiter östlich das Schicksal eines ganzen Kontinents. Die Heeresgruppe Nord ist in Ostpreußen mit drei Armeen, der 16. und 18. Armee und der Panzergruppe 4 angetreten, um die sowjetischen Divisionen im Baltikum zu vernichten und Leningrad zu erobern. Unterstützt wird diese Heeresgruppe durch den Angriff von finnischen und einigen deutschen Gebirgs- und Infanteriedivisionen auf den Norden der Sowjetunion. So besteht die nördlichste Kräftegruppe aus der 2. und 3. Gebirgsdivision, die bereits im Norwegenfeldzug eine entscheidende Rolle gespielt haben. Das Ziel dieses Gebirgsjägerkorps ist die Wegnahme des Eismeerhafens Murmansk sowie die Sperre der Eisenbahnlinie, die von Murmansk nach Süden führt.

Die stärkste deutsche Kräftegruppe ist in der Mitte der Front aufmarschiert mit zwei Panzergruppen (2 und 3) und drei Infanteriearmeen (4. und 9., sowie später Armeeoberkommando 2). Das Ziel dieser Einheiten ist die Zerschlagung der Sowjettruppen in Weißrußland und die Eroberung der Hauptstadt Moskau.

Die südlichste Heeresgruppe setzt sich aus den Infanteriearmeen 6, 17 und 11, die sich in Rumänien bereitstellt, und der Panzergruppe 1 zusammen. Das Ziel dieser Heeresgruppe ist nicht nur den rechten Flügel des Hauptstoßes, der von der Heeresgruppe Mitte geführt wird, zu decken, sondern auch so wichtige politische und kriegswirtschaftliche Ziele wie die Stadt Kiew und das Donezbecken zu erobern.

Da man die französische Armee, die als mächtigste der Welt galt, in wenigen Tage vernichtend geschlagen hat, glauben die deutschen Generäle mit der Sowjetunion leichtes Spiel zu haben. Die Tatsache, daß sich die Sowjetunion wirtschaftlich und militärisch in einer schweren Krise befindet, bestärkt die deutschen Entscheidungsträger in ihrer Meinung. Daran ändert auch nichts der Balkanfeldzug, zu dem Hitler aufgrund der politischen Lage gezwungen wird und in dessen Verlauf  in knapp drei Wochen Jugoslawien und Griechenland besetzt werden. Die größte Auswirkung dieses Feldzuges ist neben der Bindung von Truppenkontingenten vorallem die Verzögerung des deutschen Angriffs auf Rußland um knapp vier Wochen. Diese vier Wochen werden sich noch in der entscheidenden Phase des Kampfes vor Moskau kriegsentscheidend auswirken. 

Den größten Fehler den Hitler und seine Generäle aber begehen ist, daß sie, wenn sie an die Sowjetunion denken, immer mitteleuropäische Maßstäbe anlegen. Sie unterschätzen die Unendlichkeit des russischen Raumes und die qualitative und quantitative Widerstandskraft der Sowjetunion. Sie kommen auch nicht als Befreier in das Land mit den vielen Völkern sondern als Eroberer. Durch ihre menschenverachtende Besatzungspolitik treiben sie die durchaus deutschfreundlichen Menschen wieder in die Arme des russischen Diktators zurück. Unterschätzt wird auch das russische Rüstungspotential und die Qualität der russischen Waffen. So bedeutet das Auftauchen von schwersten sowjetischen Kampfpanzern, wie den KW 1 und 2 vorallem aber des legendären T34, eine böse Überraschung für die sieggewohnten deutschen Panzerdivisionen. Die Russen haben von Anfang an mehr Menschen und die besseren Waffen, was ihnen fehlt ist eine entsprechende Führung, die versteht, diese Vorteile richtig umzusetzen. Sie lernt jedoch aus den furchtbaren Verlusten an Mensch und Material, die ihr die Deutsche Wehrmacht in den Anfangsmonaten des Feldzuges zufügt. Da die materiellen und personellen Quellen dieses Riesenreiches beinahe unerschöpflich sind, verschiebt sich im Verlauf des Krieges des Kräfteverhältnis immer mehr zugunsten der Verteidiger. Die Divisionen der Deutschen verlieren sich im riesigen Raum der Sowjetunion und bluten in den heftigen Kämpfen langsam aus. Doch noch ist es nicht soweit, noch schreiben wir den Juni 1941.

Die 44.ID nimmt im Rahmen der 6. Armee als Teil der Heeresgruppe Süd am Rußlandfeldzug teil. Ihre Aufgabe für die ersten Tage ist nach Bereitstellung im Raum Hrubieszow das Durchstoßen der sowjetischen Grenzbefestigungen und das Öffnen von Vormarschstraßen für die in zweiter Welle bereitgestellten Panzerdivisionen. 

Folgender Bericht aus der Divisiongeschichte beschreibt wie die Männer aus Hans Bundschuhs Pionierbataillon 80 die ersten Stunden des neuen Krieges erlebt haben:

"22. Juni 1941
Alle Einheiten der 44.ID hatten gegen Mitternacht ihre Ausgangsstellungen bezogen. Keiner konnte noch an Schlaf denken, denn nun wußten alle, was ihnen bevorstand. Jeder mußte mit sich selbst fertig werden. Zudem plagten die Männer Myriaden von Moskitos, gegen die selbst Moskitonetze keinen Schutz boten. Eng aneinander gepreßt lagen die Männer in ihren Gräben oder still an die Wand des Deckungsloches gedrückt. Und wie immer, wenn eine Entscheidung bevorsteht, schleicht die Zeit unendlich langsam dahin.

Zwei Stoßtrupps des Pi.Btl.80, die als erste über den Bug gehen sollten, hatten bereits in der Nacht einen MG-Trupp als Feuerschutz an das Ufer des Flusses vorgeschoben. Dem ersten Spähtrupp oblag die Aufgabe, unter dem Feuerschutz der Artillerie das jenseitige Ufer zu erreichen, um dort erkannte Feindbunker unschädlich zu machen; der zweite sollte nach Säuberung der gegenüberliegenden Häusergruppen sich mit dem ersten vereinen, dann den Bahndamm besetzen, um gemeinsam einen Brückenschlag und den Übergang der nachfolgenden Truppen zu ermöglichen. Die 3.(mot)/Pi.80 (Anmerkung: 3. motorisierte Kompanie des Pionierbataillons 80) stellte die Stoßtrupps, die 1. und 2./Pi. 80 sollten die Brücke bauen.

Fahl dämmerte der erste Morgenschimmer des 22.6.1941 herauf - bis der Zeiger der Uhr auf 03.15 rückte, den Zeitpunkt des Angriffs. Als Erleichterung verspürten die Männer den Donnerschlag der Geschütze, der zugleich für viele, die zum ersten Mal einen Kriegsbeginn erlebten, eine ungeheure Anspannung bedeutete. Überlegungen jeder Art setzte der erste Schuß der Artillerie ein Ende. Jetzt galt nur mehr der Befehl: Feuerschutz der Artillerie ausnützen und Boden gewinnen! Schon hatten die Pioniere den Weg bis zum Fluß zurückgelegt. In wohlgeordneter Reihenfolge ließen sie ihre zehn kleinen Floßsäcke ins Wasser, mit denen 30 Männer des Stoßtrupps, Pioniere und Infanteristen, nun mit vereinten Kräften dem gegenüberliegenden Ufer zustrebten. Mit den Pionieren übersetzten auch der Bataillonskommandeur, Major Leonhardt und sein Adjutant, um vom anderen Ufer aus das Übersetzen der Infanterie besser übersehen und leiten zu können. Auch wollte der Kommandeur sich vom Gelingen des Unternehmens selbst überzeugen, da seiner Ansicht nach die Wegnahme der Bunkeranlage entscheidend für das weitere Vorgehen der Division war. Kein Schuß fiel. Bald war man am jenseitigen Ufer angelangt. In wenigen Sekunden hatten die Pioniere die Floßsäcke verwahrt, kurz darauf durch das dichte Gestrüpp den höher gelegenen Uferrand erklommen und in stürmischen Lauf die beiden Bunker erreicht. Noch pfiffen die Granaten der eigenen Pak über die Köpfe, während die Artillerie das Feuer ausgesetzt hatte. Mit Sprengladungen in die Bunker wurde dem Kampf ein Ende gesetzt, bevor er begonnen hatte. Im Vorwärtsgehen auf die Häusergruppe und den Bahndamm zu setzte plötzlich feindliches Gewehrfeuer vom Bahndamm her ein. Schnell in Stellung gebrachte MG deckten den Gegner mit einem Hagel von Geschossen ein, während die Männer, ohne sich um die Abwehrversuche des Feindes zu kümmern, unaufhaltsam vorwärtsdrängten. Selbst ein Drahthindernis konnte ihren Lauf nicht stoppen. Und wie befohlen, trafen sich die beiden Stoßtrupps an der vereinbarten Stelle.
Das erste Angriffsziel war genommen. Doch nichts, wie weiter. Aus entfernter liegenden Häusern bellte lebhaftes Schützenfeuer. Ein Erdaufwurf bei einem großen, roten Ziegelgebäude entpuppte sich als Bunker. Inzwischen war die Infanterie nachgefolgt, die nun den Angriff fortsetzte."

Nachdem an der gesamten Front die Grenzbefestigungen überwunden sind, geht es mit unterschiedlichem Tempo hinein in die Sowjetunion. Während bei der Heeresgruppe Nord und Mitte die Panzerkorps der Panzergruppen sehr rasch an Boden gewinnen und nach einigen Tagen bereits spektakuläre Erfolge feiern, geht es bei der Heeresgruppe Süd nicht so schnell. Dies liegt einerseits daran, daß dieser Heeresgruppe nur eine Panzergruppe zugeteilt wurde, und andererseits sind auf seiten der Roten Armee im südlichen Frontabschnitt Eliteverbände bereitgestellt worden. Durch das Fehlen einer zweiten großen Panzerstreitmacht können keine Vorstöße gemacht werden, die zu riesigen Kesselschlachten führen. Der Gegner muß frontal angegangen werden, und das fordert einen erheblichen Blutzoll unter den deutschen Angreifern. 

Die Soldaten der 44.ID machen bereits nach wenigen Tagen Bekanntschaft mit dem neuen Wunderpanzer der Roten Armee, dem T34, als sie am 1.7. zusammen mit anderen deutschen Divisionen von einem sowjetischen Gegenangriff getroffen werden. Die russischen Panzerfahrer sind zwar noch sehr unroutiniert, sie zeigen aber die Schwächen der deutschen Panzerabwehr schonungslos auf. Die Ausrüstung der deutschen Panzerjägerkompanien (3,7 cm Pak-Geschütze) ist wirkungslos gegen die feindlichen Panzer, lediglich die Artillerie, die legendäre 8,8 cm Flak und die Tapferkeit von einzelnen Soldaten, die mit Handgranaten und Minen Panzer erledigen, führen dazu, daß aus einer drohenden Katastrophe ein glorreicher Sieg wird. So vernichten die deutschen Divisionen in zwei Tagen im Raum Dubno über 200 feindliche Panzer.
 

Dokumentart: Brief
Absender: Adolf Kaipel
Absendedatum: 30.6.1941
Absendeort: Im Felde
Empfänger: Familie Halwachs
Empfangsort: Pinkafeld

Meine Lieben!
Komme endlich dazu und es ist mein größtes Bestreben rasch bevor abmarschiert wird, Euch einige Zeilen zu schreiben. Es ist jetzt 19 Uhr, wir wollen noch eine kleine Strecke marschieren. Die Sonne ist schon in den Wolken verschwunden und nur einige Kilometer weiter links von uns rattern Maschinengewehre und bersten Granaten.
Was uns die kommenden Tage bringen, entzieht sich unserer Kenntnis und ich kann Euch sagen, der Herr hat mir schon in diesen Tagen viel Beistand geleistet. Wie oft denke ich an Euch und an zu Hause, doch weit ist der Weg zurück ins Heimatland, so weit, so weit...
Auch Mitzerl hat mir geschrieben und noch dazu war es so schön verfaßt. Auch einen Enzian hat sie mir beigelegt, den ich nun in diesen schweren Tagen als Talisman bei mir tragen werde. Richte mir ja, liebe Schwester, meinen herzlichen Dank und Grüße aus, ich hatte eine so undenkliche Freude, wie ich sie seit Wochen nicht mehr kannte.
Wollen wir hoffen und unseren lieben Gott bitten, er möge uns bald unseren heißersehnten Frieden schenken. Und kann ich Euch dann die Hände schütteln, gibt es bestimmt ein frohes Wiedersehen.
Liebe Schwester, ich bitte Dich noch zum Schluß, rede der Mutter alles aus, worüber sie sich Gedanken macht. Ich komme ja wieder. Und sie soll sich ja eine Hilfskraft nehmen, denn bei dieser vielen Arbeit, sind sie allein zu schwach. Alles, soweit mein Geld reicht, steht ihnen zur Verfügung. 
Und nun zum Schluß viele Grüße und ein baldiges Wiedersehen  
Euer Adolf  
 

Die Kesselschlacht von Kiew 

Langsam aber sicher stoßen die Soldaten der Heeresgruppe Süd in Richtung Osten vor. Die spektakulären Erfolge ihrer Kameraden von der Heeresgruppe Mitte, die bereits nach wenigen Tagen in gigantischen Kesselschlachten Hunderttausende Gefangene gemacht haben, sind ihnen bisher versagt geblieben. 

Auch die 44.ID marschiert mit den anderen deutschen Divisionen nach Osten bis in das Vorfeld von Kiew. Dort hat sie bis Mitte August 1941 blutige Angriffskämpfe auf Kiew durchzuführen. Erst nachdem der Befehl zum Übergang zur Verteidigung kommt, folgen nun zehn Tage der Ruhe, in denen die Truppe Zeit hat, sich von den Strapazen der vergangenen Wochen zu erholen. Die Verluste betragen bereits rund 15% der Mannschaftsstärke, die nur zum Teil durch die eintreffenden Verstärkungen ausgeglichen werden können. Am 19.8. wird die Division wieder alarmiert und in einem mehrtägigen Fußmarsch verlegt sie in den Kampfraum nordwestlich von Kiew. Die nächsten drei Wochen sind gekennzeichnet vom erfolglosen Bemühen einen Brückenkopf am Ostufer des Dnjepr zu bilden.

Die große Lage entwickelt sich in den nächsten Tagen derart, daß sich nun auch bei der Heeresgruppe Süd im Raum ostwärts Kiew eine riesige Kesselschlacht abzeichnet. Nachdem die Versuche, diese Stadt im Handstreich zu erobern, alle gescheitert sind, haben die schnellen deutschen Verbände das Westufer des Dnjepr südöstlich von Kiew auf eine Länge von 300 km aufgerollt. Bei Krementschug, 200 km südöstlich von Kiew gelegen, gelingt der österreichischen 100.Jägerdivision sogar der Sprung über den Dnjepr, damit stehen Divisionen der Heeresgruppe Süd am Ostufer dieses großen Stromes. Auch die Verbände der Heeresgruppe Mitte sind bereits weit nach Osten vorgestoßen, ihre Spitze befindet sich im Augenblick im berüchtigten Jelnjabogen. Die Lagekarte zeigt daher ein gleichschenkeliges Dreieck, dessen Eckpunkte im Norden der Jelnjabogen, im Süden der Brückenkopf von Krementschug und etwa 200 km weiter im Westen die Stadt Kiew sind, und in diesem Dreieck befinden sich etwa 1 Million Sowjetsoldaten. Hitler blickt gebannt auf diese verlockende Beute in der Ukraine, und befiehlt der Heeresgruppe Mitte, den Vormarsch nach Moskau einzustellen. Er ordnet ferner an, daß der rechte Flügel der Heeresgruppe Mitte, bestehend aus der Panzergruppe 2 der Generalobersten Guderian und die 2.Armee, nach Süden anzutreten hat, um sich im Rücken der Russen, rund 200 km ostwärts von Kiew, mit den aus Süden herankommenden Divisionen der Heeresgruppe Süd zu vereinigen. 

Ende August beginnen die Panzer- und Panzergrenadierdivisionen der Panzergruppe 2 ihren langen Marsch nach Süden. Die Speerspitze der Panzergruppe 2 ist das XXIV.Panzerkorps bestehend aus 3. und 4.Panzerdivision, 10.Panzergrenadierdivision und der SS-Division 'Reich'. Kilometer um Kilometer kämpfen sich diese Eliteverbände südwärts. Folgende Episode aus diesen Kämpfen ist der Divisiongeschichte der SS-Division 'Reich' entnommen: 

"In Sosniza erhält das SS-Kradsch.Btl. den Auftrag, die Eisenbahnbrücke bei Makoschin im Handstreich zu nehmen und auf dem Südufer der Dessna einen Brückenkopf zu bilden. Das verstärkte Kradsch.Btl. soll mit den unterstellten Waffen in folgender Marschfolge aufgesessen zum Vorstoß auf Makoschin antreten: 2.Kp. (verst. durch 2 Sturmgeschütze, 2 Pak, 1Fla.MG-Zug, 1 Pi-Zug, 1 schw. Gr.W.-Gruppe), Btl.-Führungsstaffel, 4.Kp., 3.Kp., Rest 5.Kp., 1 Bttr./II/SS-AR. Für 13.30 Uhr ist von der Panzergruppe 2 ein Stuka-Angriff auf Makoschin sowie auf das Nord- und Südufer an der Eisenbahnbrücke zugesichert. Doch vergebens wartet die Kampfgruppe Klingenberg auf die Stukas. Als um 14.45 Uhr immer noch nichts von einem Anflug deutscher Flugzeuge zu bemerken ist, erteilt Generaloberst Guderian persönlich vom Gefechtsstand des Regimentes "Der Führer" aus an das SS-Kradsch.Btl. den Befehl zum Vorstoß auf Makoschin.
...
Der Stoß in die noch feindbesetzte Ortschaft gelingt durch die Überraschung verhältnismäßig schnell, trotz eines heftigen feuernden Panzerzuges, gegen den der Fla.MG-Zug in Stellung geht. Doch dann schießt es aus allen Ecken. Der Gegner hat sich erfangen und wehrt sich verbissen. Im Nahkampf mit Handgranaten und Maschinenpistolen fressen sich die Männer durch die Ortschaft. Mit den Kradschützen der 2. Kp. unter Hstuf. Heinz Wagner, zwei Sturmgeschützen und zwei Panzerspähwagen des Regimentes "Der Führer", die mit der 15./DF auf den Ostrand von Makoschin angesetzt sind, wird durch den Ort auf die Bahnlinie vorgestoßen. Russische Truppen gehen laufend über die Desna-Brücke nach Süden. Die Sturmgeschütze "Derfflinger" und "Prinz Eugen" stoßen sofort an die Brücke vor. Ein Sturmgeschütz nimmt einen am anderen Ufer stehenden Panzer unter Feuer und vernichtet ihn. Ein Panzerzug wird unter Feuer genommen und setzt sich daraufhin ab. Da ein neuer Angriff des Panzerzuges erwartet wird, fahren die beiden Sturmgeschütze etwas zurück. Während dieser Kämpfe sind der Chef der 2.Bttr./SS-Flak-Abt., Ostuf. Rentrop, der sich zufällig bei der Spitze befindet, und der Führer der 14.(Pz.Jg.)/DF, Ustuf. Frank, mit einigen Männern seiner Kompanie am Ostrand von Makoschin entlanggestoßen, setzen in kühnen Sprüngen über die große Eisenbahnbrücke, zerreißen die ausgelegten Zündschnüre zu den Sprengladungen, reiben den russischen Spähtrupp auf und fassen mit wenigen Männern  auf dem Südufer der Desna Fuß. Damit ist es diesem Stoßtrupp im letzten Augenblick gelungen, die Sprengung der für den weiteren Vormarsch entscheidend wichtigen Desna-Brücke zu verhindern. Daraufhin fahren beide Sturmgeschütze wieder an die Brücke vor. Als sie bis auf 50 Meter heran sind, erscheinen plötzlich die auf 13.30 Uhr angekündigten, aber längst nicht mehr erwarteten Stukas - es sind drei Staffeln mit insgesamt 27 Maschinen - und setzen trotz Signalflaggen und Leuchtzeichen zum Angriff auf Makoschin sowie an das Nord- und Südufer der Desna an der Brücke an. Dann versinkt die Ortschaft in einem Inferno von heulenden und in gewaltigen Detonationen berstenden Stukabomben in qualmenden Rauch und Brand. Die Bomben treffen nicht nur den Feind, sondern liegen auch mitten in dem im Ort noch kämpfenden Kradschützen und haben eine verheerende Wirkung. Das erschütternde Ergebnis dieses Stuka-Angriffes sind beim SS-Kradsch.Btl. 10 Tote und 30 Schwerverwundete, die meisten vom Nachrichten-Zug und von der Btl.Kradmeldestaffel."

Trotz dieser verlustreichen Kämpfe gewinnt der Vorstoß der Panzergruppe 2 immer mehr an Boden. Als sich dann in der zweiten Septemberwoche auch die Panzergruppe 1 östlich von Krementschug mit ihren Divisionen bereitstellt, die am 12.9. aus dem Brückenkopf nach Norden ausbrechen, zeichnet sich eine Kesselschlacht ab, die ein einmaliges Ereignis in der  Kriegsgeschichte darstellt. Die Sowjetführung erkennt viel zu spät die deutschen Absichten und bereits zwei Tage später reichen sich die Spitzenverbände der Heeresgruppe Mitte, die 3.Panzerdivision, und der Heeresgruppe Süd, die 16.Panzerdivision, bei Lochwiza die Hände. Im Kessel von Kiew sind mehrere russische Armeen mit fast einer Million Mann eingeschlossen. Der Kessel wird im Laufe der nächsten 14 Tage von den nachstoßenden Infanteriedivisionen eingedrückt und am Ende der Schlacht wandern über 600.000 Sowjets in deutsche Kriegsgefangenschaft, Zehntausende Tote und Unmengen an Material bleiben auf dem Schlachtfeld zurück.  

Nachdem der Versuch der 44.ID unmittelbar nördlich von Kiew über den Dnjepr zu gelangen gescheitert ist, verlegt die Division nach Gornostaipol. Dort ist es der 113.Infanteriedivision in der Zwischenzeit gelungen, einen Brückenkopf auf der Ostseite des Stromes zu bilden. Über die dort errichtete Pionierbrücke zieht nun ein Großteil der Divisionen der 6.Armee. Am 17.9. kommt auch die 44.ID an die Reihe den Dnjepr zu überqueren, jenen Fluß der schon soviel deutsches und sowjetischen Blut gekostet hat. Die Division wird nach dem Flußübergang nach Südosten abgedreht, und schon bald macht sich der Widerstand, der auf immer engeren Raum zusammengedrängten Sowjetdivisionen bemerkbar. 

Folgender Augenzeugenbericht eines Kameraden von Adolfs Infanterieregiment 131 schildert einen dieser Kämpfe im Kessel von Kiew. Zufälligerweise ist zum Zeitpunkt des Kampfes der Oberbefehlshaber der 6.Armee anwesend:

"Eingesetzt wurde die 7.Kompanie rechts (Lt.H.), 5.Kompanie links (Lt. S.), 6.Kompanie als Reserve (Lt. S.). Nach Einnahme der Höhe sollte sich die 6.Kompanie ganz rechts hinausschieben mit dem Auftrag, das Dorf von der Seite her anzugreifen. Während der Bereitstellung sah ich von rückwärts einen Kübelwagen mit einem weiteren gepanzerten Wagen anfahren. Durch mein Fernglas konnte ich beobachten, daß ein General dem Wagen entstieg und zum Bataillonskommandeur ging. Kurz darauf wurden die Kompaniechefs zum Bataillonskommandeur gerufen und wir erkannten dort Feldmarschall von Reichenau. Ich mußte, da ich die Vorhut hatte, über Feind, Lage und Auftrag berichten. Der Feldmarschall wollte unseren Angriff begleiten. 

Der Russe, der in Strohmanderln und Feldstellungen geschickt getarnt war, empfing uns mit heftigem Feuer. Die 7.Kompanie verlor dabei drei Tote. Wir mußten uns nun mühsam vorkämpfen, wobei ich selbst einen Schuß in den linken Oberschenkel erhielt. Nachdem wir fast alle Kornmanderl in Brand geschossen und die Feldstellungen aufgerollt hatten, erstürmten wir die Höhe und gewannen somit Einblick in das vor uns liegende Dorf. Nach diesem einstündigen Sturmangriff verabschiedete sich der Feldmarschall und sprach unserem Bataillonskommandeur sein Lob aus. Der Angriff ging weiter und nachdem wir nach hartnäckigem Widerstand die ersten Häuser eingenommen hatten, wurden wir in direktem Beschuß von dort aufgestellten Geschützen genommen. Lt.S., der die Lage sofort erkannte, holte von links aus, rollte die Batterie von der Seite her auf und erbeutete fünf russische Geschütze. Er erhielt für diese tapfere Leistung das Ritterkreuz. Nun war auch für uns das weitere Vordringen möglich, es mußte aber um jedes Haus erbittert gekämpft werden. Im letzten Drittel des Dorfes jedoch blieb unser Angriff stecken. Bei dieser Situation wurde Lt.H. schwer verwundet, es fiel mir die Führung der Kompanie zu. Da jeder weitere Angriffsversuch mißlang, gruben wir uns ein, zumal auch die Dunkelheit hereingebrochen war. Die 7.Kompanie hatte noch zwei Tote und viele Verwundete zu beklagen. Ich blieb mit meinem Streifschuß bei der Kompanie."

Wer geglaubt hat, die Deutschen haben im Kessel von Kiew leichtes Spiel, der hat sich getäuscht. Die Russen kämpfen wie ein in die Enge getriebenes Tier, und immer wieder kommt es bei den deutschen Verbänden zu lokalen Krisen, wenn russische Einheiten versuchen aus der Umschließung auszubrechen. Manchmal gelingt es den Sowjets deutsche Verbände zu überrennen, aber meist können diese Krisen nach Heranführung von Verstärkungen überwunden werden. Diese Tage im Kessel von Kiew sind für die Männer der 44.ID keine leichte Zeit, da immer und überall mit plötzlich auftauchendem Feind zu rechnen ist. 

Eine solche Episode schildert der Kompaniekommandant der Stabskompanie des IR131 (Anmerkung: Da Adolf dieser Kompanie zugeteilt war, ist es sehr wahrscheinlich, daß er an diesem Gefecht persönlich teilgenommen hat):

"Plötzlich brach hinter uns, wo durch eine versumpfte Bachniederung von den übrigen getrennt die Trosse des III.Bataillons und der 13.Kompanie lagen, heftiger Gefechtslärm los. Schüsse peitschten in rasender Folge durch die Nacht. MGs takten, Geschrei klang auf, das heisere 'Urrä' der Russen, dazwischen das dumpfe Krachen von Handgranaten. Wir waren in der pechschwarzen Finsternis zur Untätigkeit verdammt, wenn wir nicht die übrigen Trosse gefährden wollten, und mußten schweigend abwarten. Der Sanitäts-Dienstgrad der Stabskompanie, Unteroffizier A., wurde neben mir tödlich getroffen. Nach einer uns endlos dünkenden Zeit verstummte allmählich der Gefechtslärm. Wir konnten hören, daß die Russen die Troßfahrzeuge aufbrachen und plünderten. Nun schoß es auch am Nordrand unseres 'Igels', wo der Reiterzug sicherte. Bald meldete Oberfeldwebel G., daß er einen feindlichen Vorstoß abgewiesen habe. Er habe mit einem Stoßtrupp nachgefühlt und dabei im Nordteil des Dorfes starke Marschbewegungen in West-Ost-Richtung festgestellt. Die übrigen Trosse meldeten regelmäßig 'Nichts Neues'. So verging langsam die Nacht."

Ende September ist die Schlacht geschlagen. Obwohl, wie bereits erwähnt, die Kesselschlacht einen gigantischen Sieg für die Wehrmacht gebracht hat, ist dieser bis heute umstritten. So hat es am Beginn der Schlacht heftigsten Widerstand von der Führung der Heeresgruppe Mitte gegeben, die richtigerweise erkannt hat, daß durch den Stoß nach Süden wertvolle Zeit für den Kampf um Moskau verlorengeht. Jetzt rächten sich die vier Wochen Zeitverlust, die der Balkanfeldzug gekostet hat. Aber alle Argumente dagegen haben nichts genützt, die 2.Panzerarmee und die 2.Armee mußten nach Süden antreten und haben natürlich Verluste an Mensch und Material erlitten. Viel ärger ist der Verlust an Zeit für die Offensive nach Moskau. Sie beginnt unmittelbar nach dem Abschluß der Kämpfe um Kiew. Den Verbänden der Heeresgruppe Mitte ist keine Ruhepause vergönnt, sie werden nach dem Ende der Kesselschlacht um Kiew sofort für den Angriff auf Moskau bereitgestellt.  

Auch die hohen Verluste bei der 44.ID zeugen von der Härte der Kämpfe. So sind seit Mitte August mehr als 1.000 Mann getötet oder verwundet worden. 

Während sich also die Heeresgruppe Mitte für den entscheidenden Angriff auf Moskau bereitstellt, marschieren die Divisionen der Heeresgruppe Süd ab Anfang Oktober weiter nach Osten in Richtung Charkow. In der Nacht vom 6. auf den 7. Oktober fällt im Bereich der 44.ID der erste Schnee, der freilich nicht liegenbleibt, aber den Beginn der russischen Schlammperiode darstellt. Die Wege und Straßen werden unpassierbar und Panzer und Fahrzeuge versinken im Morast. Nur die Soldaten selbst können unter Aufbietung der letzten Kräfte zumindest einige wenige Kilometer pro Tag zurücklegen. 

Anfang November wird die Division zur Armeereserve erklärt und bezieht als solche feste Quartiere westwärts von Charkow. Die Männer haben die Ruhepause bitter nötig, denn die Division hat im vergangenen halben Jahr große Verluste an Mensch und Material erlitten. Die Tatsache, daß fast 90% aller Soldaten von Läusen geplagt werden, ist nur das geringste Problem. In den warmen Winterquartieren hofft man über die Runden zu kommen, aber wie es sich bald zeigen wird, hofft man vergebens.
 

Dokumentart: Brief
Absender: Adolf Kaipel
Absendedatum: 25.7.1941
Absendeort: Im Felde
Empfänger: Familie Halwachs
Empfangsort: Pinkafeld

Meine Lieben!
Komme wieder einmal dazu Deinen Brief zu beantworten. Ich sitze in einem ukrainischen Bauernhaus und draußen regnet es ohne Unterlaß. Jede Stunde kann der Abmarschbefehl kommen, dann kennt der Soldat keinen Regen. 
Die Leute sind gut zu uns, obwohl sie durch den Kommunismus verarmt sind. Ein jedes Haus weist Spuren der Verwüstung auf. Sie besitzen nicht mehr als einen kleinen Kartoffelgarten und eine Kuh. Es gab in jedem Dorf Kollektivvieh, das gehörte aber dem Staat und für den mußten sie arbeiten. Dadurch, daß sie so wenig Vieh halten durften, fehlte ihnen der Dünger. Der Staat lieferte keinen und daher der große Mißerfolg bei der Ernte. Zu kaufen bekamen sie sehr selten Salz. Kaffee kannten sie überhaupt keinen und auch Zucker bekamen sie nur einmal im Jahr und da mußten sie Schlange stehen.
Im Dorf ist nur ein schönes Haus und das war früher eine Kirche, das die Rotarmisten als Parteiheim umbauten. So verarmt die Bevölkerung hier ist, sind bei uns nicht einmal die Zigeuner. Wer es mit bloßem Auge nicht sieht, kann es wohl kaum glauben.
Gesundheitlich geht es mir gut, trotz der großen Strapazen. Wie es scheint stehen wir wieder unmittelbar vor dem Einsatz und hoffen, daß alles gut verläuft. Wir nähern uns der ukrainischen Hauptstadt (Anmerkung: Kiew). 
Und nun zum Schluß herzlichen Dank an Euch alle mit einem baldigen Sieg und einem herzlichen Wiedersehen
Euer Adolf  
 

Dokumentart: Brief
Absender: Adolf Kaipel
Absendedatum: 8.9.1941
Absendeort: Im Felde
Empfänger: Familie Halwachs
Empfangsort: Pinkafeld

Liebe Schwester!
Habe Deinen Brief mit Freuden erhalten und will ihn auch gleich beantworten. Du wirst staunen, daß Dein Brief über ein Monat unterwegs gewesen ist. Ich bin soweit noch gesund, was ich auch von Euch hoffe.
Bei uns fängt nun das Herbstwetter an, das das Vorwärtskommen erschweren wird. Der Winter, ob wir ihn noch erleben werden, wird bitter für uns arme Soldaten werden. Und wie wird es unserem Bruder Samuel gehen? Man kann sich schon fragen, ob für uns noch einmal die Sonne scheinen wird?
Manchmal, wenn die Granaten heulen und der Tod spazieren geht, so denke ich an den Spruch "Ewige Treue, Retter in Not, rette auch unsere Seele, Du treuer Gott". So vergeht ein Tag nach dem anderen und was einem schwer erscheint wird leicht. Denn unser Leben war ein Kommen und am Wegesrand die Kreuze ermahnen das Gehen. Rauh und hart macht uns des Schicksals Hadern, das uns den Kampf ansagte auf Leben und Tod. Vorwärts heißt der Befehl und sollten wir angelangt sein, nimm es hin, einmal nimmt alles ein Ende. Solange uns aber das Leben geschenkt bleibt, wollen wir uns noch gegenseitig ermuntern.
Ich möchte auch schreiben, daß Deine Brause gut angekommen ist. Leider ist es nicht mehr so heiß. Um eines bitte ich noch, um Sacherin, denn dieser Negerschweiß will ohne Zucker nicht hinunter.
Somit schließe ich mein Schreiben, hoffentlich ist mir wieder das Glück gegeben, Dir wieder zu schreiben.
Ich schließe mein Schreiben mit vielen Grüßen an Mitzerl, Hilderl, Josef und Dir liebe Schwester mit Glück auf zu neuen Unternehmen 
Dein Bruder Adolf.     
 

Dokumentart: Brief
Absender: Adolf Kaipel
Absendedatum: 24.9.1941
Absendeort: Im Felde
Empfänger: Familie Halwachs
Empfangsort: Pinkafeld

Meine Lieben!
Habe nun endlich wieder einmal Zeit, Dir einige Zeilen zu schreiben. Wir sind jetzt mitten im Einsatz, die Gefangenenzahl steigt jeden Tag, in unserem Regimentsabschnitt über 1500.
Am Samstag erhielt ich von meinem Regimentskommandeur das Eiserne Kreuz. Er drückte mir die Hand und wünschte mir auch weiterhin viel Erfolg. Der Regimentskommandeur erhielt vom Führer das Ritterkreuz (Anmerkung: Oberst Dr. Franz Beyer erhielt am 12.9.1941 das Ritterkreuz).
Deine Briefumschläge habe ich bekommen und ich danke Dir vielmals. Sage der Mutter, sie soll mir Taschlampenglühbirnen für eine Scheinwerferlampe, ein Taschenmesser und einen kleinen Spiegel schicken, da ich alles verloren habe.
Sonst geht es mir noch zum Aushalten. Von Samuel habe ich auch eine Karte erhalten. 
Mit vielen Grüßen     
 Euer Adolf  
 

Dokumentart: Brief
Absender: Adolf Kaipel
Absendedatum: 10.10.1941
Absendeort: Im Felde
Empfänger: Familie Kaipel
Empfangsort: Riedlingsdorf

Liebe Mutter!
Meine Kameraden gehen weiter nach Osten und ich mußte ein Lazarett besuchen, denn es ging nicht weiter mit der Ruhr. Draußen regnet und schneit es was vom Himmel fallen kann. Jetzt ist es nicht mehr schön in Rußland. Kein Weg, alle Fahrzeuge stecken. Es ist jetzt so trostlos, nicht zu beschreiben. Manche von meinen Kameraden haben schon Läuse, man kann schon fast sagen alle. Bis jetzt habe ich noch keine. Hans hat einmal gesagt, daß er eine Lausschmiere hat oder vielleicht bekommst Du eine in der Apotheke. Auch um eine Unterhose, aber nur aus Leinwand, möchte ich schon bitten. Es ist mir alles zerrissen. Und, liebe Mutter, mit den kleinen Pakten tut nicht so sparen, viel ist es nicht, aber man freut sich und es hilft im täglichen Leben. Bis jetzt habe ich alles bekommen, was Ihr mir geschickt habt.
Liebe Mutter, ich würde schon gerne auf Urlaub fahren, aber bis jetzt ist von uns noch keiner gefahren. Es spricht sich aber herum, daß noch heuer für die kämpfenden Truppen Urlaubsmöglichkeiten bestehen. Ist es bei Euch noch schön oder ist es auch so saukalt? Weiter weiß ich nicht viel zu schreiben. Möge uns der liebe Gott doch einmal Frieden schenken und eine gesunde Heimkehr.
Somit grüße ich Dich, liebe Mutter, Mitzerl und Adolf, auch Vater auf das Herzlichste mit einem baldigen Wiedersehen auch mit meinem lieben Bruder auf Gott befohlen
Euer Adolf.  
 

Dokumentart: Brief
Absender: Adolf Kaipel
Absendedatum: 9.11.1940
Absendeort: Im Felde
Empfänger: Familie Halwachs
Empfangsort: Pinkafeld

Liebes Schwesterlein!
Deinen Brief vom 14.10. erhielt ich mit viel Freuden. Mache Dir keine unnötigen Sorgen wegen der Pakete. Bis jetzt kam noch alles an, hoffentlich auch das, das noch auf dem Weg ist. Könnte Dir nur sagen, daß die Pakete besser verpackt sein sollten. Sage vielen Dank, möge Gott mir nur 
einmal die Gelegenheit geben, Dir alles zu vergelten.
Wie ein Stein, der mir das Herz erschwert, so traf mich die Nachricht von unserem Cousin Karl. Gott gebe ihm im weiten Feindesland die ewige Ruhe.
Sonst, liebe Schwester, gibt es nicht viel Neues. Was uns nur erfreuen könnte wäre "Heim ins Reich". Hoffentlich!
Und nun, liebe Schwester, denke auch weiter an mich. Einmal wird ja doch auch für uns die Sonne lachen.
Mit vielen Grüßen und Küssen an meine Nichten.
Auf Gott befohlen mit baldigem Sieg
 Euer Adolf
 

Dokumentart: Brief
Absender: Adolf Kaipel
Absendedatum:24.11.1941
Absendeort: Im Felde
Empfänger: Familie Kaipel
Empfangsort: Riedlingsdorf

Meine liebe Mutter und Schwägerin!
Diesem Brief gebe ich den Auftrag "Grüße mir mein liebes Mütterlein. Es soll nicht weinen und nicht traurig sein." Der heutige Tag ist für mich eine große Überraschung. Wir bleiben in einem Ruhequartier und auch Euer Paket und das der Schwester sind angekommen. Denkt Euch nur eine so große Freude. Jetzt wird mein Magen wieder gesund. Es muß ja nicht was in den Paketen enthalten sein. Liebe Mutter, es kann ruhig eine aufgegärte Strudel sein, daß mit den ... freut mich ausgezeichnet für meine Gedärme und auch der Käse kam in Ordnung an. Seid vielmals bedankt.
Ich muß mich schon beeilen, denn meine Lampe geht schon aus. Es ist hier fast kein Petroleum zu haben, wie ja alles von den Bolschewisten verschleppt oder angezündet wurde. Wenn wir Licht haben wollen, müssen wir den Zivilisten das ... von den Lampen ausschenken. 
Und nun vielen, vielen Dank und herzliche Grüße mit einem frohen Wiedersehen, wenn nicht früher so im siegreichen von Gott gegebenen Friedensjahr.
Euer Adolf.   
 

Dokumentart: Brief
Absender: Adolf Kaipel
Absendedatum: 27.11.1941
Absendeort: Im Felde
Empfänger: Familie Halwachs
Empfangsort: Pinkafeld

Liebe Schwester!
Wenn heuer in einigen Tagen die Weihnachtsglocken vom Turm ertönen, freut sich groß und klein, auch wenn das Geschenk noch so klein ist. Leider kann ich dieses Jahr nicht die Freude teilen und muß das große deutsche Familienfest fern der Heimat verbringen. 
Die Freude, die Ihr mir aber in diesen schweren Tagen des Kampfes mit Euren Liebespaketen gemacht habt, kann ich leider nicht anders begleichen, als daß ich heute auf Deinen Namen, liebe Schwester, 30 Reichsmark aufgegeben habe. Die sollen für meine kleinen Nichten ein Weihnachtsgeschenk sein und ich bitte Dich, liebe Schwester, sie als Geschenk für sie anzulegen. Kaufe dementsprechend, sie sollen auch einmal eine Freude haben und nicht nur immer bitten müssen für ihren Onkel.
Nächstes Jahr wollen wir alle gemeinsam dieses Fest begehen, das uns bestimmt die bitteren Tage vergessen läßt. Und nun wünsche ich Euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein Flehen zum Herrn, dies kommende Jahr uns als Sieges- und Friedensjahr zu schenken. 
Gott befohlen auf ein freudiges Wiedersehen 1942 
Euer Adolf     
 

Dokumentart: Brief
Absender: Adolf Kaipel
Absendedatum: 1.12.1941
Absendeort: Im Felde
Empfänger: Familie Hirschberg
Empfangsort: Bad Gandersheim

Liebe Familie Hirschberg!
Wie oft denke ich an die Zeiten der Vergangenheit, wo mir vor zwei Jahren das Glück zuteil wurde, Weihnachten im Kreis Ihrer Familie zu verbringen. Wie schön es war, dieses große Familienfest bei Volksgenossen, bei einer Familie, die mir bestmöglich meine Heimat ersetzte, zu verbringen, wird mir erst in Rußland bewußt. 
Wie das schöne Studentenlied, oh Heidelberg, so denke ich von Gandersheim. Eine Erinnerung, die in dieser Zeit so manchesmal das unschöne Los leichter ertragen läßt und darüber hinweghilft. 
Zwei Jahre sind seither vergangen, die den Weg Tausende Kilometer vom Heimatort entfernten. Und da die Glocken bald wieder zu diesem Fest aufrufen, so will ich Ihnen Frohe Weihnachten und ein gesegnetes siegbringendes Neues Jahr wünschen.
Ihr Adolf Kaipel  
 

Dokumentart: Brief
Absender: Adolf Kaipel
Absendedatum: 1.12.1941
Absendeort: Im Felde
Empfänger: Familie Halwachs
Empfangsort: Pinkafeld

Meine liebe Schwester!
Heute am Jahrestag meiner dreijährigen Dienstzeit lasse ich wieder die Feder dahingleiten, die Dir Grüße bringt von Deinem Bruderherz. Kann Dir auch die freudige Mitteilung machen, daß ich das stolzeste Abzeichen, das die Infanterie bekommen kann, heute erhalten habe. Dieses Infanteriesturmabzeichen wird mich an so manche traurige Stunde erinnern, die ich hier mitmachen mußte. 
Und wenn ich Dir, liebe Schwester, jetzt für einige Zeit nicht schreiben kann, dann kränke Dich nicht, unser Pfarrer gab mir den schönen Vers "Warum sollt ich mich grämen. Es ist bestimmt kein Grund dafür." Frühzeitig ist jetzt der Winter vor der Tür, doch mit seiner Hilfe wird alles wieder leichter werden. Berichte auch Mutter von meiner Auszeichnung und ich freue mich schon, wenn ich einmal Urlaub bekomme. 
Schick mir auch wieder einmal Briefpapier, es geht schon wieder zu Ende. Gestern erhielt ich auch von Stumpfel Elfi einen Brief, die ich gar nicht kenne. Auch meiner schwer geprüften Resi Tante habe ich gestern geschrieben.
Habe heute Regimentswache. Die Uhr geht schon auf halb 11 und wie glücklich fühle ich mich heute, meiner lieben Schwester wieder einen Brief schreiben zu dürfen. 
Also in kommenden Friedensjahr auf ein fröhliches Wiedersehen mit vielen Grüßen
Euer Adolf     

 
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