Der Polenfeldzug
Diese Internetseite zitiert eine Reihe von Briefen von Personen, die zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Schreiben noch nicht unser heutiges Wissen über die grausamen Konsequenzen des Nationalsozialismus und des 2.Weltkrieges gehabt haben. Wenn man diese Briefe liest, sollte man diesen Umstand berücksichtigen. Der Leser sollte vielmehr versuchen, aus den Briefen die Stimmung, die Ängste und die Hoffnung der Menschen abzuleiten. Dadurch wird es ihm vermutlich leichter möglich sein zu verstehen, was die Menschen in dieser so furchtbaren und für uns so fernen Zeit empfunden haben.
Sollten die Briefe an manchen Stellen nationalsozialistische Ideen oder den Krieg verherrlichen, dann ersuche ich den Leser dies aus Gründen der Authenzität der Briefe zu akzeptieren. Solche Textstellen spiegeln jedoch nicht den Geist dieser Internetseiten wieder, ganz im Gegenteil, das Ziel dieser Dokumentation ist den Leser darauf hinzuweisen, wie wertvoll Friede und Völkerverständigung sind und welche furchtbaren Konsequenzen Krieg und Völkerhaß haben. 
Der Polenfeldzug 

Eine Szene, die wohl typisch für die Nacht vom 31.8. auf den 1.9.39 ist, wird in einer Tagebuchaufzeichnung in der Divisionsgeschichte der 44.ID. beschrieben:

"Meine Kameraden der 4./I.R.132 (4.Kompanie Infanterieregiment 132) harren gespannt der Dinge, die da kommen sollen. Gerüchteweise soll gegen 05.00 Uhr der Angriff beginnen. - Fast zwei Stunden noch! 
Zwei Stunden vor einem Angriff sind eine Ewigkeit. Alle fünf Minuten blicke ich auf die Uhr und die Zeit vergeht doch nicht schneller. Wenn man doch nur etwas zu tun hätte, so aber liegen wir auf die Erde gepreßt und müssen warten, - nichts als warten.
Endlich kommt der Befehl zu Angriff. Es ist soweit!
Vor uns geht es los! Die Schützenkompanien rappeln sich hoch und tasten sich langsam nach vorne. Wir gehen mit unserem sMG in Stellung und richten unser Visier auf eine Hügelkette, von der wir einiges erwarten. Aber nichts passiert. Hermann stößt mich an:
'Hörst, Karli, seit ein paar Minuten ist Krieg! Kannst Du Dir das vorstellen?' - 'Nein' - 'Ich auch nicht'."

Ja, seit 4.45 Uhr ist Krieg. Zu diesem Zeitpunkt hat der Angriff der beiden deutschen Heeresgruppen Nord und Süd auf das Nachbarland Polen begonnen. Die polnische Armee wird durch die modernen deutschen Angriffsmethoden vollkommen überrascht. Entgegen der bisherigen Praxis den Panzer als Unterstützungswaffe der Infanterie einzusetzen, haben die Deutschen ihre gesamte Panzerstreitmacht in eigenen Panzerdivisionen konzentriert. Diese Panzerdivisionen durchstoßen die feindlichen Stellungen und dringen, ohne auf die Flanken zu achten, in das feindliche Hinterland vor. Dutzende Kilometer hinter der Front treffen sich die Angriffsspitzen wieder und im so entstandenen Kessel befinden sich Tausende feindliche Soldaten in der Falle. Es ist Aufgabe der nachfolgenden Infanteriedivisionen diese Kessel auszuräumen und die feindlichen Soldaten gefangenzunehmen. Schnelligkeit ist das Gebot der Stunde. Die Infanteriedivisionen müssen in Gewaltmärschen den vorgepreschten Panzerdivisionen folgen, nur so kann der Angriffsschwung beibehalten werden. Dem Gegner darf keine Chance gegeben werden die Kesselfront zu durchbrechen. 

Die 44.ID ist Teil der 14.Armee, die im Rahmen der Heeresgruppe Süd am Feldzug teilnimmt. 
Die Regimenter der Division überschreiten gegen 5.00 Uhr die Grenzen zu Polen. Sehr bald kommt es zu ersten Kampfhandlungen, bei denen beide Seiten Verletzte zu beklagen haben. Gegen Mittag fällt beim einem Artillerieangriff der erste Soldat der Division (10.000 weitere werden im Laufe des Krieges folgen). Zufälligerweise ist dieser erste Gefallene ein Unteroffizier aus Adolfs 2.Kompanie/IR 131. Das erste Ziel der Division heißt Krakau, das entsprechend der deutschen Blitzkriegsstrategie so schnell wie möglich erreicht werden muß. Die Division gelangt so über Teschen, Skotschau, Bielitz, Zator und Skawina bis zum 7.9. in den Raum von Krakau. Das auch bei der Deutschen Wehrmacht nicht immer alles nach Wunsch läuft, zeigt ein Zwischenfall in der Stadt Bielitz als das Infanterieregiment 131 versehentlich von zwei eigenen Bomberstaffeln angegriffen wird. Dieses Mißgeschick kostet sechs Soldaten und mehreren Zivilisten das Leben.
Der Aufenthalt in Krakau ist nur kurz. Bereits am nächsten Tag geht es in Gewaltmärschen weiter nach Osten. Am 13.9. erreichen die vordersten Teile der Division den San, den sie am 15.9. über eine Kriegsbrücke überqueren. Die Einheiten ziehen dabei an Hitler vorbei, der sich einige Zeit auf der Brücke aufhält (Adolf berichtet im Brief 175 über diese Begebenheit). Während die Deutsche Wehrmacht weiter nach Osten vordringt, zerfällt die polnische Armee immer mehr. Es kommt aber immer wieder zu schweren Kämpfen, vorallem dann, wenn eingeschlossene polnische Einheiten mit dem Mute der Verzweiflung gegen die deutschen Kesselstellungen anrennen. Diese letzten Kämpfe kosten noch vielen Soldaten das Leben. Über so eine Kampfhandlung, bei der auch Adolfs 2.Kompanie im Rahmen des I./131 (I.Bataillon des Infanterieregimentes 131) beteiligt ist, wird in der Divisionsgeschichte der 44.ID berichtet:

"Auf Weisung der 7.ID sollte das IR 131 am 18.9. Jasniska, ein Dorf rund 14 km nordwestlich von Lemberg, erreichen, um von dort aus den Entlastungsangriff der 7.ID in deren linken Flanke zu sichern und zu unterstützen. Nachdem am Morgen des 18. ostwärts einer kleinen Teichenge bei Maydan schwache feindliche Sicherungen zurückgeworfen waren, konnte das Vorhutbataillon I./131 (Oberstleutnant Niediek) 5 km weiter ostwärts auch bei Waldorf stärkeren Widerstand in zügigem Angriff brechen. 
Als im weiteren Vorgehen gegen die Straße Grodek - Janow - Rawa Ruska bei Dabrowica starke Feindkräfte in Feldstellungen auftraten, mußte sich das Bataillon den Zugang zur Ortschaft und damit auch zur Straße in einem planmäßig aufgebauten Angriff unter Einsatz von Infanteriegeschützen (IG) und einer Batterie der I./AR96 (Anmerkung: I.Abteilung des Artillerieregimentes 96) erkämpfen. Erst als ein feindlicher Gegenangriff im überlegenen Feuer aller schweren Waffen zusammengebrochen war, wandte der Feind sich zum Rückzug, der bald in Flucht überging. Gab es schon beim Kampf um Dabrowica zahlreiche Gefangene und eine ansehnliche Beute an Waffen und Gerät, so gelang es der 2.Kompanie (Oberleutnant Goetze; Anmerkung: Adolfs Kompanie !), bei der Verfolgung auf der Straße nach Süden eine polnische Artillerieabteilung mit 14 Geschützen zu stellen. Damit war auch das Rätsel gelöst, warum der Gegner bei Dabrowica keine Artillerie zum Einsatz gebracht hatte: Auf den Protzen saßen keine Kanoniere, sondern Mineure, die mit den Geschützen nicht umgehen konnten!

Es dämmerte bereits, als die Spitze des Regiments die Höhe ostwärts Doson erreichte, von der noch vereinzelt feindliche Schüsse fielen. In Anbetracht des heißen Tages und der zunehmenden Dunkelheit war der erschöpften Truppe ein Weitermarsch nicht zuzumuten. Der Regimentskommandeur entschloß sich daher, mit der Vorhut in Lozina und mit dem Gros in und um Dabrowica zur Ruhe überzugehen. Zur Erkundung und Besetzung des noch 5 km entfernt liegenden Tageszieles, Jasniska, setzte er die motorisierte 14. (Panzerjäger) Kompanie so rechtzeitig an, daß sie noch in der Dämmerung - unangefochten - in die Ortschaft einziehen konnte. Außer Sicherung erhielt der Kompaniechef, Oberleutnant Gostischa, den zusätzlichen Auftrag, sich im Falle eines Angriffes auf die Gefechtsvorposten des Regimentes zurückzuziehen. Zur Aufrechterhaltung der Verbindung geleitete ein Funktrupp des Regimentnachrichtenzuges die 14. Kompanie.

Jasniska, ausgedehnter als auf der Karte erkennbar, erwies sich durch seine zahlreichen Hohlwege als sehr unübersichtlich. Kaum waren an den Ortsausgängen Sicherungen aufgestellt, tauchten aus dem Waldgebiet nördlich des Dorfes feindliche Fahrzeugkolonnen auf, die sich auf Jasniska zubewegten - wie sich später herausstellte, Versorgungseinheiten einer auf dem Rückzug von Norden nach Süden befindlichen polnischen Division. Da Angriffsabsichten zunächst nicht zu erkennen waren, eher willkommene Beute zu winken schien, ließ man die Kolonnen in den Ort einfahren, um sie dann widerstandslos zu entwaffnen und gefangenzunehmen. Als der Zustrom der Fahrzeuge aber nicht abriß und es schon eine Ansammlung von über 400 Gefangenen gab (Anmerkung: eine deutsche Panzerabwehrkompanie hat ungefähr 200 Mann), wurde die Lage bedrohlich. Zwar verpflichteten sich mehrere mit ihren Einheiten in Gefangenschaft geratene Offiziere (darunter auch ein Stabsarzt, Führer einer Sanitätseinheit) ehrenwörtlich, sich an einem Kampf nicht zu beteiligen, als aber im Morgengrauen polnische Infanterie im Rahmen der feindlichen Rückzugsgliederung überfallsartig zum Angriff auf Jasniska ansetzte, da brach im Dorf die Hölle los. Fiel es den am Ortseingang postierten Sicherungen mangels MG schon schwer genug, sich der Angreifer zu erwehren, so sah sich auch der Kern der Kompanie innerhalb der Ortschaft bald einem weit überlegenen Feind gegenüber. 

Die Gefangenen, wieder bewaffnet, gingen unter der Führung der Offiziere, die sich unter diesen Umständen ihres Ehrenwortes entbunden fühlten, zum Angriff über. In dieser fast verzweifelten Lage konnte der Kompaniechef doch noch einen Funkspruch mit der Bitte um sofortige Unterstützung an das Regiment absetzen. Sein Befehl, sich vom Feind zu lösen und in Richtung Unterkunftsraum des IR 131 zu sammeln, kam bei dem Gefechtslärm nicht durch, zumal auch keine Verbindung zu den Zügen mehr bestand. Inzwischen tobte an vielen Stellen ein Kampf Mann gegen Mann. Die 14.Kompanie wehrte sich mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln und bis zur letzten Patrone. Die 3,5 cm Panzergranaten erwiesen sich - da damals noch ohne Sprengzünder - in dieser Lage fast wirkungslos. Die Verluste nahmen zu. Anerkennung ist dem erwähnten polnischen Stabsarzt und seinen Helfern zu zollen, die nicht nur die eigenen, sondern auch die Verwundeten der 14.Kompanie so gut wie nur möglich versorgten.

Der Hilferuf auf dem Funkweg hatte inzwischen das Regiment alarmiert. Um 06.25 Uhr verlud das I.Bataillon in Eile einen sMG-Halbzug auf ein von der 14.Kompanie nach Lozina geschicktes Kraftfahrzeug. Kurze Zeit darauf wurde der Chef der 7.Kompanie, Hauptmann Neubauer, mit 2 lMG-Trupps mittels Pkw nach Jasniska vorausgesandt, um die Lage zu klären und Verbindung mit dem Chef der 14.Kompanie zu suchen. Neubauer, ein vorbildlicher Offizier, fiel kurz darauf mit zwei seiner MG-Schützen bei dem Versuch, trotz schwerem feindlichen Abwehrfeuer in das Dorf einzudringen. Inzwischen war das III.Bataillon (Oberstleutnant Eibl) zum Eilmarsch nach Jasniska angetreten, das II.Bataillon (Major Raucheisen) und das I.Bataillon folgten. Die 1./Pi80 (Oberleutnant Braunsberger; Anmerkung: 1.Kompanie des Pionierbataillons 80) erhielt den Befehl, das Regiment nach Süden, Osten und Westen zu sichern und ihm den Rücken frei zu halten. Während das I.Bataillon im Wald südwestlich Jasniska zur Verfügung des Regiments blieb und die Nahsicherung übernahm, holte das III.Bataillon nach Osten aus, um von Buda aus den Angriff der 9.Kompanie (Hauptmann Zartmann) und der 11.Kompanie (Leutnant Kahle), unterstützt durch das zusammengefaßte Feu
er der 12.MG-Kompanie, zu führen. Major Greifeneder, Chef der 12.Kompanie, fiel bei diesem Einsatz, nachdem er schon vorher leicht verwundet worden war (1914 ließ sein Bruder ganz in der Nähe, in den schweren Gefechten bei Lelechowka, sein Leben). Nach guter Feuervorbereitung gelang es der 11.Kompanie, in den schmalen Südteil des Dorfes einzudringen und gegen die Kirche vorzustoßen. Die 9.Kompanie wehrte kurz darauf einen Gegenstoß der Polen aus dem Südteil erfolgreich ab.

Das II.Bataillon, von Westen her auf Jasniska angesetzt, hatte sich in den Besitz eines Höhengeländes nordwestlich des Ortes gesetzt, war aber dann in dem aus dem Waldrand nördlich des Dorfes kommenden feindlichen MG-Feuer liegen geblieben. Bei dem Versuch, ein polnisches MG aus nächster Nähe anzuspringen und zum Schweigen zu bringen, erlitt der Bataillonsadjutant Oberleutnant Kregler eine tödliche Verwundung. Er starb in der Nacht im Feldlazarett 44 in Zolkiew. Inzwischen hatte der Regimentskommandeur dem Kommandeur der I./AR96 (Major Bamler) befohlen, seine Abteilung südlich von Jasniska so in Stellung zu bringen, daß sie den konzentrischen Angriff des II. und III./131 durch wirksames Feuer auf den Feind am Waldrand nördlich des Dorfes unterstützen konnte. Ein Beschuß des Dorfes selbst war aus Rücksicht auf die darin eingeschlossene 14.Kompanie unmöglich. Das gut gezielte Feuer der Abteilung zeitigte bald spürbare Erfolge: Der Beschuß aus dem Waldrand ließ mehr und mehr nach, wodurch der Angriff des II.Bataillons wieder in Fluß kam und ein Einbruch von Nordwesten her gelang. In Handgranatenkämpfen wurden dann die verzweigten Ortsteile vom Feind gesäubert und die noch lebenden und verwundeten Kameraden der 14.Kompanie befreit. Bei Einbruch der Dämmerung reichten sich die Angreifer von Norden und Süden her die Hand. Um einzelne Gehöfte aber kämpfte man noch bis Mitternacht.

Am 20.9. setzte das I./131 mit Unterstützung der 13.(Infanteriegeschütz-)Kompanie (Leutnant von Bar) und der I./AR96 den Angriff auf den noch am und im Waldrand nördlich von Jasniska festsitzenden Gegner fort. Das Feuer der Artillerie und der schweren Infanteriewaffen machten den zunächst noch zäh kämpfenden Feind, unter dem Fähnriche der Warschauer Kriegsschule besonders hartnäckigen Widerstand leisteten, weich; er gab auf und kam wenig später in Scharen aus dem Wald. Zur gleichen Zeit stand auch die 7.ID rechts im erfolgreichen Angriff in Richtung nordwestlich Lemberg.

Am frühen Nachmittag traf der Befehl zur Einstellung des Angriffes und der Kampfhandlungen ein. Von Aufklärungsflugzeugen abgeworfene Flugblätter meldeten die Kapitulation der polnischen Südarmee. Das verstärkte Infanterieregiment 131 hatte in und um Jasniska schwere Verluste zu beklagen: 3 Offiziere, 8 Unteroffiziere und 47 Mannschaften."

Mit diesem schweren Gefecht geht für die 44.ID der Polenfeldzug zu Ende. Die Division hat in dem Feldzug an die 120 Gefallene und über 300 Verwundete zu beklagen. Die Verluste des gesamten deutschen Heeres betragen 10.000 Gefallene und über 30.000 Verwundete. Die polnischen Verluste sind ungleich höher, viel mehr schmerzt die Polen, daß nun ihr Heimatland nicht mehr existiert, aufgespalten in zwei Hälften, besetzt von deutschen und sowjetischen Truppen, die ab 17.9. die polnisch-sowjetische Grenze überschritten haben. Von nun an beginnt die deutsche Besatzungszeit, die in den nächsten Jahren noch Millionen Menschen den Tod bringen wird. Vorallem die jüdische Bevölkerungsgruppe wird fast vollständig ausgelöscht und der polnische Boden wird für die Errichtung von Vernichtungslagern mißbraucht, in denen Juden, Zigeuner und Vertreter von anderen Minderheiten aus halb Europa durch eine fabriksmäßige Mordmaschinerie umgebracht werden. Doch noch ist es nicht soweit, Ende September 1939 werden an jenen Stellen, an denen Deutsche und Russen aufeinandertreffen, Siegesparaden abgehalten und Freundlichkeiten ausgetauscht. Die deutschen Truppen müssen sich hinter die Demarkationslinie zurückziehen, die Hitler und Stalin in ihrem Vertrag ausgehandelt haben. Für die 44.ID heißt das, daß sie auf dem Weg, den sie auf ihrem Vormarsch in das östliche Polen genommen hat, wieder zurückmarschieren muß. Die Division sammelt bei Jaroslaw und richtet sich dort zur Grenzsicherung ein. Der öde Grenzdienst und das immer schlechter werdende Wetter sind mit ein Grund, daß in den Einheiten Jubel aufbraust, als Ende Oktober der Befehl für die Verlegung ins Reich einlangt. 
 

Dokumentart: Brief
Absender: Adolf Kaipel
Absendedatum: 26.9.1939
Absendeort: Jaroslaw
Empfänger: Familie Kaipel
Empfangsort: Riedlingsdorf

Lieber Bruder!
Habe Deine Karte mit Freuden erhalten. Sitze nun auf einem Büschel Stroh mit einem Bleistift und Papier, um auf Deine gütigen Worte zu antworten. Glaube mir, es ist ein Gefühl, das man erst begreift, wenn man es selbst erlebt hat, wie wunderbar es ist, wieder Heimatpost zu bekommen.
Bruder, die Tage werde ich nicht vergessen und bin dennoch glücklich, daß Euch nicht auch noch dasselbe Schicksal trifft. Wie doch das Leben ein Traum ist, dies ist mir erst jetzt richtig bewußt geworden. Vergiß nicht das Lied 'Ich hat einen Kameraden'. Niemals ruhig auf einem Platz, immer vorwärts. Jeden Tag 35 bis 40 km auf den Beinen, dazu das Geknatter der Maschinengewehre, das Knallen der Geschütze und das Getöse der Kanonen. Am Wegesrand die Gräber, die Verwundeten und Toten, brennende Häuser.
Kein anderer Wunsch kann einen befallen, die himmlische Vorsehung möge unser Gebet erhören und wieder Friede auf Erden senden. 
Lieber Bruder, mache Du das Deinige und mache das Meinige, nicht jeder für sich, nein es soll gemeinnützig sein, denn die vorderste Linie kennt keinen Eigennutz.
So grüßt Dich, Deine Frau und Kinder aus dem fernen Galizien
Adolf. 

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Dokumentart: Brief
Absender: Adolf Kaipel
Absendedatum: 26.9.1939
Absendeort: Jaroslaw
Empfänger: Maria Halwachs
Empfangsort: Pinkafeld

Liebe Schwester, Schwager und Nichten!
Deine Worte, liebe Schwester, die mir einige Tränen kosteten, las ich der galizischen Nachtkälte beim Schein der Feldküche. Ihr seid so gut zu mir und ich sehe Dich, Sepp, Mitzerl und die Kleine in ihrem Wagen vor mir wie wir damals Abschied genommen haben. Immer wieder fragte ich mich, als ich in der Marschkolonne mitmarschierte, ob ich wirklich nur für das Vaterland ausersehen bin. Alles half nichts, wir mußten vor. Liebe Schwester, ich tröstete mich damit, daß ich so viele Menschen zu Hause habe, die mir so lieb sind wie mein eigenes Leben, für die ich gerne kämpfe.
Wenn ich heute an Dich schreibe, liebe Schwester, so bitte ich Dich innigst, steh der Mutter bei. Tröste Sie und rede Ihr so manches aus. Ich komme doch wieder, es ist unnötig sich Gedanken zu machen. Ob nun auch England alles daransetzt den Frieden uns zu nehmen, der liebe Gott wird unser Gebet erhören und friedlich dem Führer sein Werk vollenden lassen.
Eine Viertelstunde zu früh marschierten wir durch Jaroslaw an die Front, sonst hätten wir die Gelegenheit gehabt, den Führer zu sehen und an ihm vorbeizumarschieren.
Tun wir das beste, beten wir zu Gott. Er möge der Welt den Frieden geben. 
Schreibe mir bald, liebe Schwester, und verzeih, daß ich nicht mehr schreibe, doch mündlich werden wir uns viel zu erzählen haben.
Auf ein baldiges Wiedersehen mit den besten Grüßen aus Galizien.
Euer Adolf.
 

Dokumentart: Brief
Absender: Adolf Kaipel
Absendedatum: 29.9.1939
Absendeort: Jaroslaw
Empfänger: Familie Kaipel
Empfangsort: Riedlingsdorf

Liebe Mutter!
Gott zum Dank und Dir zur Freude sollen diese wenigen Zeilen gelten. Verzeih, wenn die Antwort auf Deine lieben Worte so lang ausblieb. Habe Deinen Brief erst am 19. (Anmerkung: Gefecht in Jasniska) erhalten. Ich werde diesen Tag nicht vergessen, er war doch so wichtig. Nach schwerem Ringen mit hungrigem Magen in den späten Abendstunden gab mir ein Kamerad von der Mutter einen Brief. Worte, die so gottvertraut waren, gaben mir frischen Mut. Kränke Dich nicht, liebe Mutter, lenke weiterhin Dein Vertrauen auf Gott. Deine Worte, Dein Gebet stand mir im schwersten Ringen bei. Die himmlische Vorsehung wird uns doch erhören und endlich wieder den Frieden auf Erden senden.
Wir mußten große Strapazen aushalten. 600 km zu Fuß in Polen nordöstlich von Lemberg war unser letztes Gefecht. Das Gebiet ist nun bereits russisch. Es ist eine arme Gegend, so arm wie unsere Heimat vor 100 Jahren war. Alles ist leer, man kann nichts kaufen. So muß man sich mit dem Kommiß begnügen.
Zu Hause geht es anders zu, Erdäpfel graben, Felder abräumen und vielleicht ein wenig Most machen. Samuel soll einen guten Most machen. Möge uns doch das Wiedersehen glücklicher machen als der Abschied. Wer dachte sich, daß sich so eine große Lücke auftut, die hoffentlich, Gott sei Dank, schon überwunden ist.
So grüße und küsse ich Dich in weiter Ferne. 
Auf ein baldiges Wiedersehen. 
Adolf
 

Dokumentart: Brief
Absender: Adolf Kaipel
Absendedatum: 27.9.1939
Absendeort: Jaroslaw
Empfänger: Familie Kaipel
Empfangsort: Riedlingsdorf

Lieber Bruder und Schwägerin!
Nach schweren Tagen, die Ihr, wie ich glaube, auch nicht leicht befunden habt, schreibe ich einige Zeilen. Wer hätte geglaubt, daß sich so grauenhafte Klüfte auftun, als wir voneinander Abschied nahmen. Oft, wenn ich in eisig kalter Nacht Wache stand, oder wenn nach unmenschlichem Marsch meine Glieder auf hartem Stein ein Quartier fanden, dann lieber Bruder sah ich Dich weinend, die Mutter und die Mitzerl in meiner Begleitung und den Adolf unschuldig in seinem Wagen liegen. Ich mußte fort als Soldat im Kampf für mein Vaterland. 
Kameraden, die mit mir oft zum Appell antraten, die wehmütig von ihren Lieben Abschied nahmen, wurden aus dem Leben gerissen, wie das Lied, das Du oft gesungen hast, lautet "Er nahm die Büchse, schlug sie an den Baum und sprach das Leben ist ja nur ein Traum." 
Lieber Bruder, der liebe Gott möge uns den Frieden senden. Er möge diese Zustände abwenden, denn Dir soll dieses Schicksal nicht beschieden sein. Ich wäre unglücklich gewesen, wenn sich auch einer meiner Brüder in dieser Lage befunden hätte. Viel hätte ich zu erzählen, aber schreiben kann man so etwas nicht. Mach Du in der Familie das Deine, lieber Bruder, und ich mach das Meine für Volk und Vaterland.
Wir befanden uns acht Kilometer vor Lemberg, das heute bereits russisches Gebiet ist. Gott sei Dank sind wir nun im Quartier in der Nähe von Jaroslaw, um uns einigermaßen zu erholen.
So grüßt und küßt Euch alle aus dem fernen Galizien.
Euer Adolf 
 

Dokumentart: Brief
Absender: Maria Halwachs 
Absendedatum: 2.10.1939
Absendeort: Pinkafeld
Empfänger: Adolf Kaipel
Empfangsort: Jaroslaw

Lieber Bruder!
Vor allem Gott sei Dank, daß wir wieder ein Lebenszeichen von Dir erhalten haben. Lieber Bruder, auf Deinen Brief haben wir schon mit Schmerzen gewartet. Wir haben ihn am 1. am Erntedanktag nachmittags erhalten. Die Mutter war am Vormittag in der Kirche. Es wäre alles schön gewesen, man mußte dem lieben Gott wirklich danken, aber der Gedanke an Dich, lieber Bruder, schmerzte uns bitterlich. Alle haben eine Antwort erhalten. Nur wir nicht. Es war fast nicht mehr auszuhalten. Die Mutter sagte: "Komm schnell herunter, wenn Du vom Adolf etwas hörst." 
Am Nachmittag sagte die Hausfrau, daß sie schon wieder einen Brief (Anmerkung: von einem ihrer vier eingezogenen Söhne) erhalten habe. Ich stand hinter dem Holzstoß und sagte weinend unter Tränen, daß Du nicht mehr lebst. Aber wenn die Not am größten ist, dann ist Gottes Hilfe am nächsten. Der Briefträger kam in dem Moment, in dem ich das gesagt habe. Es sagte, daß Du lebst! Stelle Dir vor, welche Freude! Die Traurigkeit wurde in Freude verwandelt. Ich lief mit dem Brief in die Küche und mußte mich, bevor ich den Brief las, erst recht ausweinen. Die Mitzerl strampelte vor Angst und weinte und schrie: "Mutti! Was ist dem Adolf geschehen?" Wir machten uns auf der Stelle, wie vom Feind getrieben, auf dem Weg zur Mutter. Und dann, lieber Bruder, haben wir erst recht den Erntedanktag gefeiert.
Lieber Bruder, wir werden nicht aufhören mit dem Bitten und Beten, bis wir Dich wieder in unsere Arme schließen können. Der liebe Gott soll Dich beschützen und behüten, wohin Du gehst und wo Du stehst. Unsere Herzen, lieber Bruder, bluten um Dich und um alle, deren Lieben auf dem Felde blieben. Es sind wohl noch viele undankbare Menschen hier. Aber wir werden alles aushalten und durchstehen, wenn nur Ihr gesund bleibt.
Es wird wohl wenig gearbeitet. Kleider und Lebensmittel gibt es genau nach Karte, aber Menschen, die ein Herz haben, erdulden es, wenn es heißt 'zum Schutze unserer Soldaten'. Lieber Bruder, auch vom Herrn Pfarrer werden alle, die seiner Kirche angehören, ein Schreiben bekommen. Er betet jeden Sonntag für Euch in der weiten Ferne. Die Bekannten leben alle noch, aber von denen aus der Kaserne, die mit dem ersten Zug abgegangen sind, sind drei gefallen. Der Hartnagel und noch zwei andere. Auch von unseren Nachbardörfern ist hie und da einer gefallen.
Lieber Bruder, sonst kann ich Dir nicht viel schreiben. Lasse bald wieder von Dir hören, auch wenn es nur eine Karte mit drei Worten ist.
Zum Schluß noch viele Grüße von uns allen an Dich, lieber Bruder.
Deine Schwester, Schwager und Nichten.
 

Dokumentart: Brief
Absender: Adolf Kaipel 
Absendedatum: 6.10.1939
Absendeort: Jaroslaw
Empfänger: Familie Kaipel
Empfangsort: Riedlingsdorf

Liebe Mutter, Bruder und Schwägerin!
Am 19., es ist ein Tag, den ich nie vergessen werde, habe ich den Brief der Mutter erhalten. Nun ist eine lange Zeit vergangen. Ich habe seither vier Briefe und eine Anzahl Karten geschrieben, aber von Euch habe ich bis jetzt noch nichts bekommen. Ich weiß nicht, ob Ihr überhaupt noch lebt und wie es Euch geht. Solltet Ihr aber meinen Brief glücklich erhalten haben, so macht Euch keine Sorgen, sondern schreibt mir alle Neuigkeiten von den Lieben aus der Heimat.
Wir beziehen in einigen Tagen wieder ein neues Quartier sieben Kilometer von Jaroslaw entfernt, wo wir für längere Zeit eine Feldwache übernehmen. Es ist hier viel kälter als zu Hause und es wird auch viel früher Tag. An einem Fluß, dem San, ist unsere Wache. Bis zu den Russen sind es 50 Meter über den Fluß. Sie sind sehr freundlich zu uns und einer, der etwas Deutsch konnte, sagte, daß wir gute Freunde wären. Auch wünschte er uns einen guten Morgen. Die anderen machten die Ehrenbezeugung.
Unser Leben ist hier sehr bescheiden. Zu kaufen gibt es wenig. Alles ist leer, wo wir auch hinkommen. Daher bitte ich Euch, es wird schon möglich sein, ein Paket mit einem viertel Kilo zu schicken. Als Inhalt gebt bitte Rasierklingen, die man beim Köberl in Pinkafeld bekommt, und Schokolade bei, die man hier leider nicht bekommt. Solche Pakete mit der Aufschrift 'Feldpost' könnt Ihr mehr schicken. Ihr braucht für die Feldpost kein Porto beilegen.
Heute haben wir die Führerrede angehört, die wohl eine Friedensrede war, doch von England und Frankreich nicht verstanden werden wird. Der liebe Gott möge nun endlich nach langen Bemühungen den Herzen dieser Nationen die Friedensliebe geben, damit nicht die Menschen zu Abertausenden gegen ihren Willen ihr Leben lassen müssen.
So muß ich, meine Lieben, meinen Brief schließen. Der liebe Gott möge Euch die Gesundheit erhalten und möge Friede kommen lassen, zum Wohl der Menschen.
Auf baldiges Wiedersehen
Euer Adolf. 
 

Dokumentart: Brief
Absender: Samuel Kaipel 
Absendedatum: 1.10.1939
Absendeort: Riedlingsdorf
Empfänger: Adolf Kaipel
Empfangsort: Jaroslaw

Lieber Bruder!
Gott zum Gruß und Dir zur Liebe soll dieser Brief gerichtet sein. Wie groß war die Freude, als wir einen Brief von Dir erhalten haben. Über unsere Augen sind Tränen gekommen, denn wir hofften, daß Du am Leben bist. Wie haben wir geweint, als wir im Radio gehört haben, wie unsere Soldaten auf das Scheußlichste hingemordet wurden und Schwerverwundeten die Augen ausgestochen wurden. Welches Herz kann da kalt sein, wenn man ein Bruderherz im Kampf dabei hat.
Lieber Bruder, sei nicht böse, daß Du kein Schreiben von uns bekommen hast. Im Radio haben sie immer gebracht, wenn nicht etwas Wichtiges ist, dann soll man nicht die Postsammelstellen unnötig belasten. Ihr bekommt keine Briefe, da die Verbindung schwierig ist. Jetzt haben wir wieder frischen Mut für die Arbeit, da unser größtes Glück nicht zerstört ist. Du wirst wissen, wie groß unsere Liebe zu Dir ist. Wie haben wir immer traurig das Postkästchen angeschaut, als wir vom Feld nach Hause gekommen sind. Es war immer leer und wir haben keine Freude gehabt. Aber auf eines sind wir stolz gewesen, daß der Führer bei seinen Soldaten gewesen ist, denn Gott und Führer haben ihre Hand schützend über Euch gehalten, sonst wäre der Sieg nicht so schnell gekommen.
Auch den Gruß von Deinen Kameraden haben wir erhalten und wir haben sehr ... von Eurer Leistung, was Ihr mit ... habt: 'Harre aus, auch hier wird ein Ende sein.' In Deiner Heimat werden immer Deine Lieben denken, daß Du unser großes Vaterland beschützt hast. Welche großen Aufgaben wirst Du noch zu bewältigen haben, bist Du wieder bei uns bist?
Lieber Bruder, und jetzt noch etwas Wichtiges. Wir haben aus Graz einen Brief bekommen, daß Du viel Geld bekommen sollst. Du mußt an die Wiedergutmachungsstelle der NSDAP Graz schreiben, daß sie das Geld der Mutter überweisen sollen, da Du jetzt Soldat bist und das Geld nicht bei Dir tragen darfst. Schreibe sofort, es ist jederzeit zu haben. Zahl 65/11/XV.
Lieber Bruder, jetzt schließe ich mein Schreiben mit den besten Grüßen aus Deiner lieben Heimat.
Samuel, Mitzl und Deine weinende gekränkte Mutter.
Auf Wiedersehen, wie Du uns verlassen hast.
Heil Hitler.

Gott mein Gott. Behüte mein liebes Kind. Ich will beten und Dich nie vergessen. Bitte, wenn ich Dir helfen kann.  Deine Mutter. 
 

Dokumentart: Brief
Absender: Adolf Kaipel 
Absendedatum: 9.10.1939
Absendeort: Jaroslaw
Empfänger: Maria Halwachs
Empfangsort: Pinkafeld

Meine liebe Schwester!
Mit großer Freude und bester Gesundheit durfte ich Euren lieben Brief lesen. Habe schon sehnsüchtig auf eine Antwort gewartet, und ich bitte Euch nicht so schmerzerfüllend Anteil zu nehmen. Man kann ja schließlich und endlich von der göttlichen Vorsehung keine Verantwortung erbeten. 
Das Leben ist ein Traum und selbst das schönste Leben ist der Vergangenheit preisgegeben. Daher, liebe Schwester, nimm es ruhig hin, wie manches Geschwisterherz es in dem Sturm des Kampfes hinnehmen mußte und sollte die Brücke des Wiedersehens uns nicht gegönnt sein, dann erst tritt die große Aufgabe an Dich heran, mit besten Gefühl der Mutter zur Seite zu stehen. 
Es ist uns ja eine so große Zeit gegeben, an den Ruhestätten unserer Vorfahren, die das Größte für unser Vaterland gaben, ein stilles Gebet beim Vorbeimarsch zu beten. Obwohl viele die Religion verurteilen, kann ich Dir sagen, liebe Schwester, in der größten Stunde, wenn links und rechts die Maschinengewehre hämmern, und man am Grabe der Kameraden steht, wenn Kanonendonner die Erde erzittern läßt, dann weiß mancher nicht, woher er noch das Vaterunser kann, das er mit Tränen in den Augen seinen Kameraden mit ins Grabe gibt.
Wir müssen nun wieder weiter, in der Hand die Waffe, im Herzen den  FRIEDEN.
Grüße Euch herzlich und die Mutter soll im Fall, daß ich zu Weihnachten nicht nach Hause komme, der Mitzerl zum Geschenk die schöne schwarze Kassette machen
Euer Adolf
 

Dokumentart: Brief
Absender: Adolf Kaipel 
Absendedatum: 16.10.1939
Absendeort: Clieplice
Empfänger: Maria Halwachs
Empfangsort: Pinkafeld

Liebe Schwester!

Vor allem herzlichen Dank für Deine liebe Gabe, die Du mir ins Feld geschickt hast. Es war mir eine Freude, Süßigkeiten und Neuigkeiten zu bekommen, auf die ich nicht gehofft habe, weil ich immer geglaubt habe, daß meine Briefe verloren gegangen sind. 
In einer so verlassenen Gegend wie hier ist es für uns sehr schwer, zumal man gar nichts kaufen kann. Es gibt hier in der Mehrzahl Ukrainer, die keinen Verdienst haben, nur das, was sie anbauen, was sie im Winter zum Essen brauchen. Sie sind alle sehr froh, daß sie zu Deutschland gekommen sind und sie freuen sich schon, daß das Schicksal es mit ihnen in der Zukunft besser meinen möchte, wie sie es bis jetzt unter Polens Regierung hatten.
Auch mir, liebe Schwester, war das Glück beschieden, unseres Führers Reichstagsrede anzuhören. Unser Führer ersah dies schon 1923 als er in seinem Buch schrieb: "Aus den Tränen des Krieges erwächst für die Nachwelt das tägliche Brot". Nicht nur Dir ist es um die vielen Opfer hart, auch mir würgte es oft im Herz, wenn Kameraden von mir weggerissen wurden, mit denen ich ein Stück Brot und Wasser teilte. Am 1. September um 9.30 Uhr stand mir der liebe Gott gnädig bei, als uns das feindliche Artilleriefeuer auf Schritt und Tritt verfolgte.
Liebe Schwester, bei den 24 Tagen Kampf da waren Stunden dabei, ja sogar Minuten, die mir länger vorkamen als Jahre. Mit jeder Minute konnte einen die rauhe Hand wegreißen von diesem irdischen Boden. 24 Tage ohne Rasttage mußten wir marschieren und unsere Marschleistungen waren 30 bis 45 Kilometer. Vor Müdigkeit düngte uns der Straßengraben besser als manchen im Hinterland das Federbett. Bekamen wir einen Schupfen mit wenig Stroh, so war das für uns eine Freude, zumal wir keine Wache hatten. Doch wenn angetreten wurde zum Sturm, dann nahmen wir es geduldig hin, wurde noch einmal die Stärke zusammengesucht und für manchen war es das Letzte was er tat.
Am 20. marschierten wir vor in die Kampfstellung, ich werde das niemals vergessen. Es war für mich das gräßlichste Bild, wovon ich Euch nichts schreiben kann, aber wenn das Glück beschieden ist, dann werde ich Euch davon erzählen. Nach dem Kampf, und es war der letzte Tag, standen wir am Grab unserer Kameraden. Rechts hämmerten die Maschinengewehre und der Kanonendonner fuhr dazwischen als wären es Salven. Am Grabe gaben Soldaten ihren Kameraden ein schlichtes Vaterunser als Nachruf mit. So mancher, der die göttliche Vorsehung als unnütz hielt, betete laut mit, als wollte er vom Vergangenen nichts wissen. 
Habe vom Herrn Pfarrer ein kleines Büchlein bekommen "Stark durch Glauben", was mich sehr freute. Starke Erinnerungen steigen in mir hoch an die Schul- und Konfirmandenzeit und genau wie einst ist unser Herr Pfarrer besorgt um seine Schüler.
In unserem Kampf, den das junge Deutschland um seine Lebensexistenz auszustehen hat, ist für uns kämpfende Generation die schönste und beste Parole, die uns im Vertrauen mit Führer  und Volk zum Sieg verhilft: "Stark durch Glauben". Möge auch Euch in der Heimat dieselbe Parole voranleuchten, auch wenn sich noch so viele Hemmnisse im Wege stehen, denn eines steht fest, wo die starke Hoffnung in einem lebt, braucht einem um den Sieg nicht bange sein. Möge die Welt auch lügen, wie sie es den Polen vormachten, die Deutschen seien Menschenfresser. Wir haben unseres anständig gemacht, und haben keinen Zorn an Gefangenen und Wehrlosen ausgeübt, aber unsere Gefangenen wurden hingemartert auf das Scheußlichste.
Mögen die blutgierigen Engländer und Franzosen nun zur Einsicht kommen und unseres Führers Worte beherzigen.
So danke ich Dir nochmals für Deine Gabe und Briefe, bitte schreibe bald wieder
Grüßend allen     Adolf 

Dokumentart: e-Mail
Absender: Richard A. Wojtczak
Absendedatum: 17.10.2003
Absendeort: USA
Empfänger: Heinz Bundschuh
Empfangsort: Pinkafeld

Das folgende Mail habe ich vom Sohn eines polnischen Soldaten bekommen, der damals bei den Kämpfen um Jasniska auf der polnischen Seite gekämpft hat. 
Vielen Dank, lieber Richard Wojtczak, für die Erlaubnis die bemerkenswerte Geschichte Deines Vaters veröffentlichen zu dürfen. 

Dear Heinz
My father's name is Czeslaw Wojtczak.  He was born in the town of Witkowo in 1919.  In 1937 he volunteered for the Polish army with the intention of eventually getting a job as a border guard/customs officer after his military service.  Work was very hard to find in Poland at that time and he did not want to be a farmer (his father's occupation).  After his training he was posted to an infantry unit charged with defending the border with the Soviet Union.

On September 1, 1939, the war broke out when Adolf Hitler invaded Poland.  My father remembers hearing about it sometime after it happened when a senior officer drove out to his unit in a car and informed them that they would be fighting the enemy very soon.  This was several days after the war had broken out.  His unit was about midway between Przemysl and Lwow, near the town of Jasniska at the time.  Pretty soon it became clear that there would be a battle with the Germans, since they came under fire from artillery and aircraft.

On the morning of either September 12 or September 13, 1939 (I can't remember exactly what date my father said) his unit, having endured a terrible bombardment during the night from German bombers and artillery (my father said it was so bad that even atheists in his unit cried out to the Lord Jesus Christ for salvation), came out of a forest on the outskirts of Jasniska and moved towards the German positions.  My father and his friend Adam were in charge of one of the unit's machine guns.  They knew that they might not survive the coming day and had exchanged personal information, each promising the other that he would contact his family in case of death.  The fighting began and bullets were soon flying through the air.  Pretty soon, the superior firepower and numbers of the Germans began to take its toll and Polish soldiers began to fall.  My father and Adam had been firing at the Germans from behind a large tree, but Adam suggested that they expose themselves to the enemy in order to achieve a better field of fire.  My father thought it was a bad decision, but nevertheless he followed his friend.  As it turned out, he was right to have reservations, because no sooner had they exposed themselves to the enemy, than Adam was hit in the forehead and killed instantly.  My father barely had time to register shock at the death of his friend when a bullet struck him also, hitting him in one hip and going out of his body through the other hip.  It was an excruciatingly painful wound and my father thought he was going to die.  Indeed, he probably would have if the wound had been left untended.  However, as the firing died down and what was left of the Polish force either surrendered or retreated (or were killed) a German soldier approached my father with his rifle at the ready.  He must have been surprised when my father, despite his pain, called out to him in German (a language he had learned in Silesia when his family had lived there while my grandfather worked in the coal mines).  He asked for water and for medical aid.  The German, after hesitating for a moment, finally said something like "this is a fine time to be asking me for a favor.  You were shooting at me a few moments ago."  Nevertheless, he slung his rifle and somehow half dragged and half carried my father to a German field hospital, where they cleaned out his wound and bandaged it.  He never saw the German again.

A few days later, the Russians invaded Poland.  The Germans pulled back from the area around Lwow and left my father in Russian hands.  He was still very badly hurt and couldn't move.  Ironically, this wound may have saved his life, since the officers who surrendered in Lwow eventually were murdered at Katyn and the regular soldiers were sent to the labor camps in Siberia.  While this was going on he was in a field hospital.

He remained in Russian hands until about April/May of 1941.  It took him most of this time to recover from his wound.  Then he was exchanged along with some other wounded soldiers and fell back into German hands. He was finally able to go home.  His family had, until this point, assumed that he had been killed in the fighting.  After spending some time working on the railroads as forced labor (the Germans were preparing for the invasion of Russia), he and his entire family were deported to Austria in order to make room for German settlers who were moving into Witkowo under the policy of Lebensraum.  He spent the rest of the war in Austria, at a place called Oberefellach, working for a farmer named Franz Pacher.  It was here that he met my mother, who had also been deported from Southern Poland as slave labor.

At the end of the war, the British took over the part of Austria where he was living.  He was drafted into the Polish contingent of the British army and sent to Italy, where he married my mother.  They eventually went to England in 1948 and by then the Communists had taken over in Poland and he elected not to return and live under Communist rule (although his parents and brother did go back).  He still lives in England.  He is now remarried since my mother died of cancer in 1978.  He is still healthy (he has just returned from vacation in France), although he had a heart attack in 1993 from which he has recovered totally.   He has one son and a grandchild living in Australia and one son (me) and two grandchildren in the U.S. His brother lives in Malbork, Poland. (Strangely enough, after the war my uncle married a German woman whose husband had disappeared on the Russian Front). One disappointment in his life is that he was never able to fulfill his promise to Adam to tell his parents what happened to him, first because he was in Soviet hands, then because under the German occupation he couldn't travel in Poland and then he was deported to Austria.  After the war, of course, the Communists were in power and it was difficult enough to contact his own family, let alone anybody else's.  Now he has lost all the information and Adam's parents are probably dead anyway. 

I think may father is a wonderful man and I thank God (and the unnamed German soldier who helped him) for allowing him to survive and live so long.

Richard Wojtczak

Und hier die deutsche Übersetzung

Der Name meines Vaters ist Czeslaw Wojtczak. Er wurde 1919 in der Stadt Witkowo geboren. 1937 meldete er sich freiwillig zur polnischen Armee mit dem Ziel nach dem Ende seines Militärdienstes eine Stelle als Zöllner zu bekommen. Es war damals sehr schwer in Polen eine Arbeit zu bekommen und er wollte nicht wie sein Vater Bauer werden. Nach seiner Ausbildung wurde er zu einer Infanterieeinheit versetzt, deren Auftrag es war, die Grenze zur Sowjetunion zu schützen.

Am 1. September 1939 brach der Krieg aus, als Adolf Hitler in Polen einmarschierte. Mein Vater erinnert sich von der Invasion durch einen höheren Offizier gehört zu haben, der sie informierte, daß sie sehr bald gegen den Feind kämpfen würden. Dies war einige Tage nachdem der Krieg ausgebrochen war. Seine Einheit war zu dieser Zeit ungefähr in der Mitte zwischen Przemysl und Lwow (Lemberg), in der Nähe von Jasniska. Sehr bald wurde es klar, daß es eine Schlacht mit den Deutschen geben würde, als sie von Artillerie und Flugzeugen angegriffen wurden.

Am Morgen des 12 oder 13 September 1939 (ich kann mich nicht genau erinnern, welches Datum mein Vater mir genannt hat) kam die Einheit meines Vaters, nachdem sie während der Nacht ein schweres Bombardement durch deutsche Bomber und Artillerie erdulden mußte (mein Vater sagte, daß es so schrecklich war, daß sogar Atheisten in seiner Einheit nach Jesus Christus um Rettung flehten), aus einem Waldgebiet in der Umgebung von Jasniska und fuhr zwischen die deutschen Linien. Mein Vater und sein Freund Adam bedienten eines der Maschinengewehre dieser Einheit. Sie wußten, daß sie vielleicht nicht den kommenden Tag überleben werden und haben daher ihre persönlichen Daten ausgetauscht. Sie haben sich einander versprochen, daß sie im Fall des Todes die jeweilige Familie benachrichtigen würden. Der Kampf begann und bald flogen Geschosse durch die Luft. Sehr bald wirkte sich die Überlegenheit der Deutschen an Feuerkraft und Mannschaftsstärke aus und immer mehr polnische Soldaten fielen. Mein Vater und Adam hatten auf die Deutschen von einem Platz hinter einem Baum gefeuert, aber Adam meinte, daß es besser wäre die Stellung nach vor zu verlegen, um ein besseres Schußfeld zu bekommen. Mein Vater dachte, daß dies eine schlechte Entscheidung ist, aber trotzdem folgte er seinem Freund. Wie es sich herausstellte, war es richtig, daß er Zweifel hatte, denn kurz nachdem sie sich nach vor bewegten, wurde Adam in den Kopf getroffen und war sofort tot. Mein Vater hatte kaum Zeit den Schock über den Tod seines Freundes zu verarbeiten, als auch ihn ein Geschoß traf, das ihn in die Hüfte traf, durch den Körper ging und bei der anderen Hüfte wieder austrat. Es war eine besonders schwere Wunde und mein Vater glaubte, daß er sterben muß. Tatsächlich wäre er wahrscheinlich gestorben, wenn die Wunde nicht behandelt worden wäre. Wie auch immer, als das Feuer eingestellt wurde, und das was von den polnischen Kräften übriggeblieben war entweder gefangengenommen oder entkommen (oder getötet) war, näherte sich ein deutscher Soldat mit seinem Gewehr im Anschlag. Er muß sehr überrascht gewesen sein, als mein Vater ihm trotz seiner Schmerzen in Deutsch mitteilte (eine Sprache, die er in Silesia/Schlesien gelernt hatte, als seine Familie dort lebte, während mein Großvater in den Kohlenminen arbeitete). Er bat um Wasser und medizinische Hilfe. Der Deutsche, nachdem er für einen Moment gezögert hatte, sagte schließlich so etwas wie 'das ist eine gute Zeit mich um einen Gefallen zu bitten. Du hast erst vor wenigen Minuten auf mich geschossen.'  Dennoch hängte er sein Gewehr um und irgendwie halb geschleppt und halb getragen brachte er meinen Vater zu einem deutschen Feldlazarett. Er sah den Deutschen nie mehr wieder. 

Einige Tage später marschierten die Russen in Polen ein. Die Deutschen zogen sich aus der Gegend um Lemberg zurück und ließen meinen Vater in russischer Hand. Er war immer noch sehr böse verletzt und konnte sich nicht bewegen. Ironischerweise hat diese Wunde vermutlich sein Leben gerettet, da Offiziere, die sich in Lemberg ergeben haben, eventuell in Katyn ermordet und einfache Soldaten in Arbeitslager nach Sibirien verschickt worden sind. 

Er verblieb in russischer Hand bis ungefähr April/Mai 1941. Es dauerte eine lange Zeite bis er sich von seiner Verwundung erholt hatte. Dann wurde er mit einigen anderen verwundeten Soldaten ausgetauscht und fiel wieder zurück in deutsche Hände. Er konnte schließlich nach Hause gehen. Seine Familie hatte bis zu diesem Zeitpunkt geglaubt, daß er bei den Kämpfen getötet worden sei. Nachdem er einige Zeit als Zwangsarbeiter bei der Eisenbahn gearbeitet hatte (die Deutschen hatten die Invasion in Rußland vorbereitet), wurden er und seine gesamte Familie nach Österreich deportiert. Er verbrachte den Rest des Krieges in Österreich, an einem Ort genannt Oberefellach (vermutlich Obervellach/Kärnten), um für einen Bauern mit dem Namen Franz Pacher zu arbeiten. Es war dort, wo er meine Mutter traf, die auch als Sklavenarbeiterin von Südpolen deportiert worden ist.

Am Ende des Krieges übernahmen die Briten den Teil von Österreich wo er gelebt hatte. Er wurde in das polnische Kontingent in der Britischen Armee einberufen und nach Italien geschickt, wo er meine Mutter heiratete. In der Folge ging er 1948 nach England und als die Kommunisten in Polen die Macht übernommen hatten zog er es vor nicht zurückzukehren und unter den Kommunisten zu leben (obgleich seine Eltern und sein Bruder zurückgingen). Er lebt noch immer in England. Er ist nun wieder verheiratet, seit meine Mutter 1978 an Krebs gestorben ist. Er ist immer noch gesund (er ist gerade vom Urlaub aus Frankreich zurückgekommen), obwohl er 1993 eine Herzattacke hatte, von der er sich total erholt hat. Er hat einen Sohn und ein Enkelkind, die in Austalien leben, und einen Sohn (mich) und zwei Enkelkinder in den USA. Sein Bruder lebt in Malbork, Polen (Eigenartig genug, hat mein Onkel nach dem Krieg eine deutsche Frau geheiratet, deren Mann an der Russischen Front vermißt ist). Eine Enttäuschung seines Lebens ist, daß er niemals sein Versprechen an Adam erfüllen konnte und dessen Eltern erzählen konnte, was mit ihrem Sohn passiert ist, weil er zuerst in sowjetischer Hand, dann weil er unter der deutschen Herrschaft nicht in Polen reisen konnte und dann weil er nach Österreich deportiert wurde. Nach dem Krieg, natürlich, waren die Kommunisten an der Macht und es war schwer genug mit der eigenen Familie Kontakt aufzunehmen. Nun hat er alle Informationen verloren und Adams Eltern sind wahrscheinlich schon tot.     

Ich glaube mein Vater ist ein wundervoller Mann und ich danke Gott (und dem unbekannten deutschen Soldaten, der ihm geholfen hat), der es ihm erlaubt hat zu überleben und solange zu leben. 

Richard Wojtczak
 

 
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